Die Stellenanzeige – Ein einziges Rätsel oder doch einfach zu interpretieren?

Stellenanzeigen sind in der heutigen Zeit nach wie vor ein probates Mittel, um neue Mitarbeiter für ein Unternehmen zu gewinnen. Dabei kann das Schalten von Stellenanzeigen in unterschiedlichen Medien erfolgen. Immer beliebter werden Online-Jobportale, die idealerweise verknüpft über die Webseite www.stellenanzeigen.de einen großen Kreis potenzieller Bewerber ansprechen. Darüber hinaus veröffentlichen Unternehmen zunehmend ihre Stellenanzeigen über Facebook, Twitter oder Instagram.

Neben den Online-Medien wird aber nach wie vor auch auf die Publikation von Stellenanzeigen in den Printmedien (das heißt regionalen und überregionalen Tageszeitungen oder Sonntagsblättern) gesetzt. Wie dabei eine Stellenanzeige gestaltet ist, welche Größe und Lage sie in der Zeitung hat, wie sie sich optisch präsentiert und inhaltlich aufgebaut ist, verrät sehr viel über das Unternehmen, welches die Anzeige schaltet.

Gleichzeitig verrät die Stellenanzeige auch viel über die Qualität des Unternehmens und die Wertigkeit der zu besetzenden Stellen. Schließlich sind natürlich auch eine ganze Reihe von Anforderungen, die an potenzielle Bewerber adressiert werden, in einer Stellenanzeige enthalten. Hierbei kann es sich jeweils um eine Muss-Anforderung oder eine Kann-Anforderung handeln.

Wie man Stellenanzeigen richtig lesen kann und welche Tipps und Tricks es beim Lesen einer Stellenanzeige gibt, erfahrt ihr in diesem Beitrag. Ihr werdet feststellen, dass hinter der Oberfläche einer Stellenanzeige ein ganzes Dickicht von Interpretationen und Informationen verborgen ist.

Kann ich aus der Größe einer Stellenanzeige Rückschlüsse ziehen?

Eine Stellenanzeige enthält in ansprechender Form die Informationen, die für den Bewerbungsvorgang und die Besetzung einer Stelle zwingend notwendig sind und dies in kompakter Form. Je nach Bedeutung der Stelle kann eine Stellenanzeige mal mehr oder mal weniger Informationen enthalten bzw. ansprechend gestaltet sein. Auch die reine Größe einer Stellenanzeige lässt Rückschlüsse darauf zu, welche Bedeutung die zu besetzende Position im suchenden Unternehmen hat.

Je größer eine Stellenanzeige ist, desto höher ist in der Regel die Hierarchiestufe im Unternehmen bzw. der Institution, in der die Stelle zu besetzen ist. Die Suche nach einer Aushilfskraft wird in wenigen Sätzen und sehr kurz in einer Stellenanzeige formuliert, wohingegen die Suche nach einem Geschäftsführer in eine weitaus umfangreichere und damit auch größere Stellenanzeige münden wird. Auch die optische Gestaltung lässt Rückschlüsse auf die zu besetzende Position zu.

Graphisch aufwendige und in Farbe gestaltete Stellenanzeigen deuten auf die Besetzung einer hierarchisch bedeutender Position hin als bei einer Standard-Schwarz-Weiß-Anzeige. Neben der Hierarchiestufe der zu besetzenden Stelle kann sich aber auch die Dringlichkeit einer Stellenbesetzung in der Größe und dem graphischen Aufbau der Stellenanzeige widerspiegeln. Je dringlicher die Stellenbesetzung ist, desto mehr Aufwand wird ein Unternehmen betreiben, um mit der Stellenanzeige positiv aufzufallen und potenzielle Bewerber anzusprechen.

Wie wirken sich die marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland auf Stellenanzeigen aus?

Aktuell ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf einem Rekordtiefpunkt angelangt. Dazu haben die stetigen Bemühungen der Bundesregierung und der Agentur für Arbeit ebenso gesorgt wie das Wirtschaftswachstum. In vielen Teilen Deutschlands herrscht aktuell annähernd Vollbeschäftigung. Zudem führt der demographische Wandel zunehmend zu einem Fachkräftemangel. Damit herrscht aktuell ein zunehmender Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. Dieser Wettbewerb spiegelt sich auch in der steigenden Qualität von Stellenanzeigen wieder.

Unternehmen und Institutionen sind gezwungen, für sich Werbung zu betreiben und sich über Stellenanzeigen möglichst attraktiv und positiv darzustellen. Unternehmen und Institutionen, denen dies gelingt, werden eine größere Zahl qualitativ hochwertiger Bewerbungen erhalten als Unternehmen und Institutionen, die daran scheitern.

Die Qualität der Stellenanzeigen lässt für Bewerber eindeutige Schlüsse zu, ob es sich bei dem potenziellen neuen Arbeitgeber um ein attraktives und professionelles Unternehmen handelt. Du als Bewerber musst idealerweise schon an der Stellenanzeige erkennen, ob das Unternehmen oder die Institution zu Dir passt. Stellenanzeigen liefern hierfür jede Menge Anhaltspunkte.

Wie ist eine Stellenanzeige aufgebaut?

Stellenanzeigen bestehen aus einigen zwingenden Mindestangaben, die enthalten sein müssen. Sind sie nicht enthalten ist dies bereits ein erster Hinweis darauf, dass es sich um ein Unternehmen oder eine Institution handelt, die man meiden sollte.

Konkret gehören folgende Angaben mindestens in einer Stellenanzeige:

  1. Der Titel der Tätigkeit und Stelle beziehungsweise der Aufgabe. Welche Verantwortungen bestehen?
  2. Wo ist die Stelle hierarchisch im Unternehmen angesiedelt?
  3. Wie ist die Dauer beziehungsweise Laufzeit der Beschäftigung? Befristet oder unbefristet?
  4. Wo befindet sich die Arbeitsstätte? Arbeiten im Unternehmen oder Home-Office?
  5. Zu wann wird die Stelle besetzt?
  6. Welche Muss-Anforderung wird an die zu besetzende Position gestellt?
  7. Welche Kann-Anforderung wird an die zu besetzende Position gestellt?
  8. Mit welchen Leistungen seitens des Unternehmens beziehungsweise der Institution kann der Bewerber rechnen (zum Beispiel Gehaltsregelung, Firmen-Pkw, Weiterbildungsmöglichkeiten, gegebenenfalls weitere Incentives)?
  9. Informationen über das Unternehmen (zum Beispiel Branche, Unternehmensgröße, Mitarbeiterzahl, Umsatz, etc.)
  10. Informationen zum Bewerbungsablauf und Kontaktdaten des Ansprechpartners auf Unternehmensseite (An wen ist die Bewerbung zu richten und in welcher Form? Onlinebewerbung und/oder Bewerbung auf dem Postwege?)

Man kann diesen Katalog an notwendigen Informationen durchaus auch als „10 Gebote für die Erstellung einer Stellenanzeige“ sehen. Du erkennst als Bewerber schon daran, ob Unternehmen all diese Punkte genannt und erläutert haben und vor allem wie und mit welchen Formulierungen sie dies getan haben, ob es sich um ein Unternehmen handelt, das professionell genug ist und zu Dir passt.

In jeder Stellenanzeige schwingt ein spezieller Grundton in den Formulierungen mit, den man als potenzieller Bewerber auf sich wirken lassen sollte. Nur wenn eine Stellenanzeige Dich richtig anspricht solltest Du Dich darauf bewerben. Wenn Du ein gutes Gefühl hast, solltest Du aber auch noch eine Recherche zum Unternehmen durchführen. Wer arbeitet dort, denn Du vielleicht kennst? Du könntest dieses Person vertraulich nach dem Unternehmen befragen. Was findest Du gegebenenfalls sonst noch über das Unternehmen heraus?

Je mehr Informationen Du im Vorfeld des Absendens der Bewerbung über das Unternehmen beziehungsweise die Institution sammeln kannst, desto mehr Sicherheit erhältst Du für Deine Entscheidung.

Muss-Anforderungen

In Stellenanzeigen werden in der Regel Anforderungen genannt, die ein potenzieller Bewerber erfüllen muss, damit er für die ausgeschriebene Stelle überhaupt geeignet ist. Handel es sich um zwingend zu erfüllende Anforderungen, so spricht man jeweils von Muss-Anforderungen. Muss-Anforderungen MÜSSEN erfüllt werden. Werden Sie dies auch in Einzelfällen nicht, so wird es in aller Regel andere Bewerber geben, die einem selbst bei der Stellenbesetzung vorgezogen werden.

Nur in dem Fall, wenn kein anderer Bewerber alle Muss-Anforderungen erfüllt, besteht noch die Chance, dass Du bei der Stellenbesetzung eine Zusage erhältst. Muss-Anforderungen sind in einer Stellenanzeige relativ weit oben angesiedelt.

Im Text werden Muss-Anforderungen immer am Anfang genannt, während „Nice-to-have-Eigenschaften“, also Kann-Anforderungen eher unten im Text zu finden sind. Du erkennst Muss-Anforderungen immer auch an bestimmten Formulieren wie „Wir erwarten von Bewerbern…“ oder „Sie bringen Folgendes mit…“ oder „Wir setzen für diese Stelle … voraus“ oder „Sie sollten Folgendes erfüllen“ oder „Folgende Eigenschaften sind erforderlich“ oder „Voraussetzungen für die Stellenbesetzung sind …“.

Für die Erfolgsaussichten einer Bewerbung ist es unerlässlich, dass Du als Bewerber alle Muss-Anforderungen erfüllst. Es kann nämlich durchaus sein, dass wenn Unternehmen keine Bewerbung erhalten, in der alle Muss-Anforderungen erfüllt werden, die Unternehmen die Stelle zunächst nicht besetzen und weiter suchen. Beispiele für Muss-Anforderungen sind bestimmte berufliche und schulische Qualifikationen (zum Beispiel ein bestimmtes Bildungsniveau, wie ein abgeschlossenes Universitätsstudium oder eine vergleichbare Ausbildung), sprachliche Qualifikationen (zum Beispiel Englisch) oder eine gewisse Berufserfahrung in einem bestimmten Sektor (zum Beispiel „Sie verfügen über mehrjährige Erfahrungen als Geschäftsführer.“).

Es ist sehr wichtig, alle Muss-Anforderungen, die in einer Stellenanzeige genannt sind, zu identifizieren und sich jeweils die Frage zu stellen, ob man die Muss-Anforderung jeweils erfüllt.

Kann-Anforderungen

Neben den bereits erläuterten Muss-Anforderungen enthält jede Stellenanzeige auch eine Reihe von Kann-Anforderungen. Eine Kann-Anforderung ist eine „Nice-to-have-Eigenschaft“, die nicht zwingend zu erfüllen ist und daher im Text einer Stellenanzeige eher unten aufgeführt ist. Eine Kann-Anforderung kann man ebenso wie eine Muss-Anforderung an bestimmten Formulierungen erkennen.

Beispiele für Formulierungen von Kann-Anforderungen sind „Wünschenswert ist…“ oder „Hilfreich wäre…“ oder „Wir freuen uns, wenn Sie…“ oder „Wenn Sie … mitbringen ist dies wünschenswert“ oder „Ausbaufähige Kenntnisse in …“ oder „Idealerweise bringen Sie … mit“. Man könnte noch eine ganze Reihe weiterer Formulierungen an dieser Stelle nennen, aber ist schon jetzt eindeutig erkennbar, woran man den Unterschied zwischen einer Kann-Anforderung und einer Muss-Anforderung erkennt. Kann-Anforderungen sind wesentlich weicher und unverbindlicher formuliert, wohingegen eine Muss-Anforderung wesentlich zwingender und verbindlicher formuliert ist.

Kann-Anforderungen sind also unverbindlicher und nicht zwingend. Dennoch sollte man Kann-Anforderungen nicht unterschätzen. Du musst bei jeder Bewerbung davon ausgehen, dass es genügend andere Bewerber gibt, die genau wie Du, die ausgeschrieben Stelle erhalten wollen. Im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens bewerben sich häufig viele gute Kandidaten mit vergleichbaren Qualifikationen. Bewerber können bei Gleichheit in den Muss-Anforderungen bei den Kann-Anforderungen punkten.

Je besser eine Bewerbung auf das gesamte Anforderungsprofil eines Unternehmens passt, umso besser. Also musst Du versuchen, auch die Kann-Anforderungen bestmöglich zu erfüllen. Unternehmen suchen in der Regel nach der oder dem Kandidatin/Kandidaten, der alle Anforderungen (Muss- und Kann-Anforderungen) bestmöglich erfüllt. Es gilt also je mehr Übereinstimmung Du als Bewerber in Bezug auf die Anforderungen hast, desto aussichtsreicher ist Deine Bewerbung. Umgekehrt formuliert solltest Du Dich nicht auf Stellenanzeigen bewerben, bei denen Du nur eine geringe Schnittmenge zwischen Deinen Eigenschaften und den Anforderungen des Unternehmens hast.

Stellenanzeigen richtig lesen

Stellenanzeigen verraten weit mehr über ein Unternehmen als möglichen neuen Arbeitgeber, als Du auf den ersten Blick denkst. Eine Stellenanzeige muss decodiert und zwischen den Zeilen gelesen werden. Ein Unternehmen, das zum Beispiel von einem Bewerber eine hohe Belastbarkeit erwartet, dürfte durch einen hohen Stressfaktor verbunden mit einem eher rauen Betriebsklima gekennzeichnet sein.

Ein weiteres Beispiel ist ein hohes Maß an Eigenverantwortung, das als Text in einer Stellenanzeige auf ein eher unorganisiertes Unternehmen hindeutet, in dem der Mitarbeiter selbst sich den Arbeitsalltag organisiert. Natürlich muss dies nicht so sein, aber es können Indizien sein. Wenn in einer Stellenanzeige überdurchschnittliche Versprechungen vor allem mit Blick auf die Verdienstmöglichkeiten gemacht werden, solltest Du Dich nicht auf diese Stellen bewerben. Es tummeln sich nämlich vor allem im Internet auch viele nicht seriöse Unternehmen. Gleiches gilt, wenn in der Stellenanzeige Anforderungen an Dein äußeres Erscheinungsbild gemacht werden.

Um diese Stellenanzeige musst Du einen großen Bogen machen. Stellenanzeigen richtig lesen heißt also zwischen den Zeilen zu lesen. Man muss Stellenanzeigen richtig lesen, bevor man sich bei einem Unternehmen bewirbt. Stellenanzeigen richtig lesen kannst Du nur, wenn Du Dir Zeit nimmst und dies gewissenhaft machst, denn es kommt bei einer Stellenanzeige auf den Grundton des Textes und die Formulierungen an. Es zählt jedes einzelne Detail in der Stellenanzeige. Stellenanzeigen richtig lesen bedeutet auch die in fast jeder Stellenanzeige enthaltenen Phrasen richtig zu interpretieren. Es gibt Phrasen, die ein Unternehmen beschreiben und solche, die die Kandidaten beschreiben.

Folgende Formulierungen in Bezug auf Unternehmen finden sich in fast jeder Stellenanzeige: eingespieltes Team, angenehmes Betriebsklima, flache Hierarchien, Weiterbildungsmöglichkeiten, Unternehmen mit Tradition, etc.. In Bezug auf die potenziellen Bewerber findest Du in einer Stellenanzeige häufig die folgenden wiederkehrenden allgemeinen Formulierungen: Belastbarkeit, hohe Einsatzbereitschaft, Eigenverantwortung, kommunikative Fähigkeiten, Reisebereitschaft, etc..
Stellenanzeigen richtig lesen bedeutet auch, diese allgemeinen Formulierungen richtig zu interpretieren und mit den eigenen Erwartungen und Wünschen abzugleichen.

Fazit

Eine Stellenanzeige verrät weit mehr über ein Unternehmen als man annehmen könnte. Es ist wichtig, dass Bewerber Stellenanzeigen richtig lesen und diese analysieren. Vor allem der Abgleich der in der Stellenanzeige jeweils genannten Muss- und Kann-Anforderung mit den eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten ist von essenzieller Bedeutung. Nur wenn Du alle Anforderungen erfüllst hast Du eine sehr gute Chance bei dem Bewerbungsverfahren erfolgreich zu sein.

Ob Du Dich auf eine Stellenanzeige überhaupt bewirbst hängt davon ab, ob Dich die Stellenanzeige anspricht und Du das Gefühl gewinnst, dass es sich um ein professionelles Unternehmen handelt, das die Werte vermittelt, die auch Dir als Bewerber wichtig sind und mit denen Du Dich identifizieren kannst. Bevor Du eine Bewerbung absendest solltest Du immer auch Recherchen über den potenziellen neuen Arbeitgeber einholen. Ideal ist es, wenn Du Bekannte hast, die bereits in dem Unternehmen arbeiten und Dir Tipps und Informationen geben können.

Stellenanzeigen sind für Unternehmen sehr wichtig, um möglichst viele gute Bewerbungen zu erhalten. Die Qualität von Stellenanzeigen zeigt sich sowohl in der Größe, Form und graphischen Gestaltung, als auch in den Formulierungen. Je mehr Mühe sich ein Unternehmen macht, desto mehr gute Bewerbungen wird es erhalten! Auf der anderen Seite müssen Bewerber Stellenanzeigen richtig lesen, um den für sie passenden Job zu finden!

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1 Kommentar zu „Die Stellenanzeige – Ein einziges Rätsel oder doch einfach zu interpretieren?“

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