Fremdsprachenkenntnisse – Wirklich so „fließend in Wort & Schrift“?

Fremdsprachenkenntnisse sind in vielen Berufen unerlässlich. Denn nur wenige Unternehmen arbeiten heute innerhalb der eigenen Landesgrenzen. Wenn Du Dich also auf einen neuen Job bewirbst, solltest Du Deine Fremdsprachenkenntnisse optimal anbringen. Dabei kommt es weniger auf die Menge der beherrschten Sprachen an.

Viel wichtiger ist die Intensität, in der Du die Fremdsprache beherrschst, und welche Erfahrungen Du schon mit der jeweiligen Sprache gemacht hast. Auslandsaufenthalte oder internationale Konferenzen können diese Erfahrungen beweisen. Und vielleicht wartet im Bewerbungsgespräch eine Überraschung auf Dich.

Denn viele Personaler überprüfen die Fremdsprachenkenntnisse sofort. Ein unerwarteter Sprachenwechsel mitten im Gespräch enttarnt nämlich schnell und zuverlässig Hochstapler.

Die richtige Werbung

Fremdsprachen zu beherrschen spielt in einer globalen Welt eine wichtige Rolle. Nicht nur beruflich, auch privat bereichern Fremdsprachen unheimlich. Ob Du ganz bei Dir allein anfängst und ein Buch in Originalsprache liest oder gleich in einem Urlaub in Deine erste Konversation gehst, Fremdsprachen erweitern Deinen Horizont.

Beruflich eröffnet die Kommunikation mit Geschäftspartnern und Kunden aus dem Ausland ganz neue Welten. In vielen Jobs werden daher Fremdsprachenkenntnisse vorausgesetzt. Für Dich kommt es auf die richtige Werbung an. Denn nur wenn Du Deine Kenntnisse gut verkaufst, kannst Du Interesse an Deiner Person und Deinen Fähigkeiten wecken.

Das bedeutet, dass Du Dich am besten auf die Fremdsprachen beschränkst, die im konkreten Job tatsächlich gewünscht sind oder gebraucht werden (könnten). Neben der Tatsache, dass Du diese oder jene Fremdsprache beherrschst, solltest Du auch angeben, wie gut. Dafür gibt es ein internationales Punktesystem, an das Du Dich in deinem Bewerbungsschreiben halten solltest.

Offizielles Fremdsprachen-Scoring

Bei der Angabe der eigenen Fremdsprachenkenntnisse kannst Du Dich am gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Fremdsprachen richten. Besonders einfach wird es natürlich dann, wenn Du eine Prüfung in der betreffenden Sprache abgelegt hast. Viele Studenten legen eine solche Prüfung im Laufe ihres Studiums ab. Bei vielen Bildungsinstituten bundesweit kann man solche Prüfungen jederzeit ablegen. Auch entsprechende Vorbereitungskurse werden angeboten.

Wenn Du nicht auf die Ergebnisse einer aktuellen Sprachprüfung zurückgreifen kannst, musst Du Deine Kenntnisse selbstständig einschätzen. Dabei helfen Dir Online-Portale. Die Ergebnisse solltest Du aber kritisch überprüfen, da sie nur eine Hilfe bei der Einschätzung Deiner Fähigkeiten darstellen können.

Ganz grundsätzlich gibt der europäische Referenzrahmen für Fremdsprachenkenntnisse drei mögliche Stufen vor:

  • A (1 und 2)
  • B (1 und 2)
  • C (1 und 2)

Diese Einstufung kann mit den in Bewerbungsunterlagen üblicheren Beschreibungen übersetzt werden. Denn hier ist oft von folgenden Abstufungen die Rede:

  • Grundkenntnisse
  • fließend in Wort und Schrift
  • verhandlungssicher

Ganz grundsätzlich können die drei Stufen direkt zugeordnet werden. Bei der endgültigen Angabe solltest Du aber immer noch einmal Augenmaß walten lassen. Dabei heißt Augenmaß aber nicht, dass Du bei den Angaben lügen darfst.

Die Selbsteinschätzung

Ob und wie Du Deine Fremdsprachenkenntnisse angibst, solltest Du Dir bei jeder Bewerbung neu überlegen. Denn es kommt auch auf die ausgeschriebene Stelle aus, welche Relevanz Deine Kenntnisse haben. Gehen wir davon aus, Du besitzt in einer eher weniger genutzten Sprache – zum Beispiel Norwegisch – Grundkenntnisse. Für viele Jobs sind diese Kenntnisse nicht relevant. Wenn Du Dich allerdings als Lehrkraft auf einem modernen Schulcampus bewirbst, kann das schon anders aussehen.

Hier kannst Du zum Beispiel planen, als Teil des Ganztagesprogramms Norwegisch-Stunden anzubieten. Das kannst und solltest Du natürlich bei Deiner Bewerbung anbieten. Da Du mit Leidenschaft und Engagement an Deine neue Aufgabe gehst, musst Du natürlich wirklich Norwegisch in Grundzügen beherrschen. Eine Überprüfung im Bewerbungsgespräch hast Du in diesem Fall jedoch nicht zu befürchten. Ansonsten solltest Du auf die Angabe von Fremdsprachenkenntnissen, die sich auf unterem Niveau befinden, verzichten.

Das nächste Level

Anders steht es um Fremdsprachenkenntnisse, die fließend in Wort und Schrift sind. Denn diese Kenntnisse sind für viele Berufe relevant. Das gilt natürlich allen voran für die viel verwendete Fremdsprache Englisch.

Wenn Du hier fließend in Wort und Schrift angibst, weiß der Arbeitgeber, dass er Dein Englisch einsetzen kann. In vielen Fällen ist diese Angabe aber nicht nur langweilig, sondern auch zu indifferent. Der Personaler kann Dich anhand dieser Angabe nicht von den anderen Bewerbern unterscheiden. Deswegen solltest Du diese Angabe mit Leben erfüllen. Erzähle von Dir und Deiner Geschichte!

Natürlich solltest Du das nicht zu ausschweifend tun, aber dem Kontext angemessen. Also welche Tätigkeiten hast Du schon in einer Fremdsprache ausgeführt, die Dir auch im neuen Job helfen können? Hast Du zum Beispiel regelmäßig per Email und Telefon mit ausländischen Kunden und Geschäftspartnern kommuniziert? Oder hast Du Dich auf internationalen Konferenzen in Englisch unterhalten? Dann erzähle davon. Mach Dich als Person interessant. Deine Fremdsprachenkenntnisse können Dich dabei nur unterstützen.

Verhandlungssicher – das höchste Level

Noch besser als fließende Fremdsprachenkenntnisse ist es, eine Fremdsprache verhandlungssicher zu beherrschen. Mit dieser Angabe sollte man jedoch vorsichtig sein. Denn die Angabe impliziert, dass Dich nichts und niemand aus der Fassung bringen kann, wenn Du die angegebene Fremdsprache nutzt. Auf der einen Seite handelt es sich dabei um eine selbstbewusste Angabe. Sie unterstreicht Deine herausragenden Fähigkeiten und macht Dich zu einem interessanten Bewerber.

Aber diese Angabe muss tatsächlich auch stimmen. Wann sie stimmt und wann sie nur Teil einer Hochstapler-Beschreibung ist, lässt sich leider nicht pauschal sagen. Klar ist, dass alle Nutzer einer Fremdsprache nicht fehlerfrei sind. Nicht einmal Nutzer der eigenen Muttersprache sind fehlerfrei. Das wissen wir aus unserem täglichen Leben. Doch ab wann darfst Du Deine Fremdsprachenkenntnisse als verhandlungssicher bezeichnen?

Das ist grob gesagt dann der Fall, wenn Du die (potentiell) gestellten Aufgaben ohne Probleme in der Fremdsprache erledigen kannst. Das ist im Falle einer Touristenbetreuung ein völlig anderer Anspruch als in der Leitung einer internationalen Rechtsabteilung. Und genau jetzt ist Dein Fingerspitzengefühl bei der Angabe Deiner Fremdsprachenkenntnisse gefragt.

Von der Geschichte zur Kostprobe

Wenn Du Dich also entschieden hast, wie Du Deine Fremdsprachenkenntnisse einstufst, musst Du deine Entscheidung noch untermauern. Deine Angabe für sich allein sagt nur wenig über Deine Fremdsprachenkenntnisse aus. Wenn Du aber vor allem die Angabe „verhandlungssicher“ untermauerst und einen Beweis antrittst, ist Dir die Aufmerksamkeit der Personaler sicher. Je nach Job, auf den Du dich bewirbst, können hier unterschiedliche Ansätze sinnvoll sein.

Für die Angabe „fließend in Wort und Schrift“ reicht es, wenn Du kurz erwähnst, wie Du zu dieser Einschätzung kommst. Die Angabe von Kursen oder von alltäglichen Aufgaben ist schon ausreichend. Hast Du jedoch im Rahmen Deiner Fremdsprachenkenntnisse schon einmal etwas Außergewöhnliches gemacht, kannst Du das in deine Bewerbung einbinden. Hast Du zum Beispiel ein Reiseprogramm im Ausland geleitet? Lege einen Flyer vom Reiseprogramm bei.

Noch wichtiger sind solche Beweise für die Angabe „verhandlungssicher“. Je nach Job kann es Sinn machen, hier direkt eine Kostprobe beizulegen. Unter Wissenschaftlern zum Beispiel ist es normal, bei der Bewerbung eine Liste der eigenen Publikationen anzugeben. Damit sind natürlich auch die Fremdsprachenkenntnisse in Englisch bewiesen, da oft in Englisch publiziert wird. Auch in anderen Branchen sind solche Kostproben möglich und sinnvoll.

Vorbereitung ist alles

Herzlichen Glückwunsch! Du wurdest zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Jetzt musst Du Dich intensiv darauf vorbereiten. Neben den allgemeinen Vorbereitungen wie die Information über die Firma gehören auch spezifische Vorbereitungen dazu. Lies Dir noch einmal Deine komplette Bewerbung durch und überlege Dir zu jedem Punkt, was es noch zu sagen gäbe. Das bedeutet nicht automatisch, dass Du all das auch erzählen musst oder möchtest.

Aber wenn sich das Gespräch anhand Deiner Bewerbungsunterlagen in eine bestimmte Richtung entwickelt, bist Du in jedem Fall aussagefähig. Nur wenn Du genügend Gesprächsstoff im Hinterkopf hast, bleibt das Gespräch auch intensiv am Leben. Das trifft auch auf Deine Fremdsprachenkenntnisse zu. Je nachdem, welche Geschichte Du um Deine Kenntnisse erzählt hast, rufe Dir diese Geschichte noch einmal ins Gedächtnis.

Vor allem, wenn Du das Level „verhandlungssicher“ angegeben hast, solltest Du in deine Fremdsprachenkenntnisse noch etwas mehr Vorbereitung investieren. Schaue Dir zum Beispiel noch einmal ein Film in der entsprechenden Sprache an. Oder informiere Dich auf Englisch über die Firma, falls Du unter „Fremdsprachenkenntnisse“ Englisch mit verhandlungssicher angegeben hast. So kannst Du intensiv in die Materie einsteigen und das mit Deinen Kenntnissen vereinen.

Wenn Du noch zusätzliches Material hast, dass Deine Fremdsprachenkenntnisse unterstreicht, kannst Du diese auch zum Bewerbungsgespräch mitnehmen.

Im Bewerbungsgespräch

Und schon kann es losgehen – das Bewerbungsgespräch. Bewerbungsgespräche sind dafür gedacht herauszufinden, ob Bewerber und Unternehmen zueinander passen könnten. Natürlich nutzen Personaler die Situation auch, um den Bewerbern auf den Zahn zu fühlen. Je nachdem, wie Du Deine Fremdsprachenkenntnisse angegeben hast, kann das auf unterschiedliche Weise geschehen.

Wenn es sich um die Angabe „fließend in Wort und Schrift“ handelt, kann es sein, dass Du ein kurzes Schriftstück in der Fremdsprache abgeben muss. Das geschieht in den meisten Fällen im Kontext der Aufgaben im Unternehmen. Daher schadet es nie, wenn Du einen kurzen Text, zum Beispiel ein Kundenanschreiben, in der Fremdsprache für das Unternehmen schon in der Vorbereitung verfasst. Das übt und der Überraschungseffekt, der viele Bewerber lähmt, ist schon einmal weg.

Wenn Du allerdings das Level „verhandlungssicher“ angegeben hast, kann im Bewerbungsgespräch schon mehr passieren. Aus heiterem Himmel wechseln Personaler zum Beispiel die Sprache und setzen das Bewerbungsgespräch in der angegebenen Fremdsprache fort. Auch das sollte Dich nicht überraschen. Denn wenn Deine Fremdsprachenkenntnisse verhandlungssicher sind, solltest Du zu jeder Zeit eine fachliche Konversation in der Fremdsprache führten können. Und dazu gehört auch ein Bewerbungsgespräch.

Fazit

In einer globalen Welt sind Fremdsprachenkenntnisse unerlässlich. Vor allem in gehobeneren Jobs sind sie Teil des persönlichen und des unternehmerischen Erfolgs. Aber auch als Busfahrer oder Kassierer in der Stadt werden Fremdsprachenkenntnisse immer wichtiger. Je nach Job, auf den Du Dich bewerben möchtest, solltest Du Fremdsprachenkenntnisse jedoch nur angeben, wenn Du sie besser als in Grundzügen beherrschst.

Das bedeutet, es kommen nur die Angaben „fließend“ und „verhandlungssicher“ in Frage. Bei der Einschätzung deiner Fremdsprachenkenntnisse solltest zu zum einen selbstbewusst sein, zum anderen aber auch sehr ehrlich. Denn solltest Du Fremdsprachenkenntnisse angeben, die Du gar nicht hast, wird das schnell herauskommen und keinen der Beteiligten glücklich machen.

Doch auch die reine Angabe Deiner Fremdsprachenkenntnisse wird nicht für Begeisterung sorgen. Denn viele gut ausgebildete Menschen können auf solide Fremdsprachenkenntnisse zurückgreifen. Du musst also in Deiner Bewerbung eine Geschichte von Dir erzählen. So können sich Personaler ein Bild von Dir machen und erleben Dich schon anhand Deiner Bewerbungsunterlagen als Menschen. Du hebst Dich von der Masse an Bewerbern auf diese Weise merklich ab. Auf diese Weise hast Du eine tolle Chance, zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.

Dort angekommen, wird es ernst für Dich. Denn nun kannst Du erstmals deine Fähigkeiten, auch Deine Fremdsprachenkenntnisse, unter Beweis stellen. Lass Dich von keiner Aufgabe im Bewerbungsgespräch überraschen. Reagiere souverän und stelle Deine Fähigkeiten im rechten Licht dar.

So kannst Du mit Persönlichkeit und Können überzeugen. Auf diese Weise hinterlässt Du einen bleibenden Eindruck. So hast Du eine gute Chance auf den Job. Und Deine Fremdsprachenkenntnisse haben Dich dabei unterstützt. Sei immer ehrlich und stehe auch zu Deinen Schwächen. Denn Lügen haben kurze Beine und werden mit Sicherheit entdeckt.

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