Kind oder Karriere? Der Spagat zwischen Kind und Beruf

Als berufstätige Mutter in Deutschland- Kind oder Karriere?

Als berufstätige Mutter musst Du nicht selten einen wahren Drahtseilakt vollführen. Auf der einen Seite Dein Beruf, Kollegen, vielleicht sogar die Karriere, auf der anderen Seite Dein Kind (oder Deine Kinder), die natürlich auch etwas von ihrer Mutter haben möchten. Auch möchtest Du die Entwicklung Deiner Kinder nicht versäumen und machst Dir sehr viele Gedanken, wie oder ob Du Familie und Beruf tatsächlich zufriedenstellend vereinen kannst.

Welche Vorteile bietet es Dir und Deinem Kind zudem, wenn Du eine berufstätige Mutter bist? Auf all diese Fragen soll Dir dieser Artikel zumindest einige Ansätze und Antworten bieten. Schlussendlich bleibt es natürlich Deine Entscheidung, ob Du als Mutter arbeiten gehst oder Zuhause bleiben möchtest.

Die Berufstätigkeit von Müttern- ein kleiner Blick in die Statistik

Wie sieht überhaupt die Berufstätigkeit von Müttern in Deutschland konkret aus? Diverse Datenbanken liefern hierzu detaillierte Ergebnisse: so lag die Zahl der berufstätigen Mütter in Deutschland im Jahr 2017 bei etwa 74%. Mit hinzugezählt wurden auch Frauen, die sich im Augenblick in Elternzeit oder dem Mutterschutz befanden.

Mit einer Quote von 74% liegt die Berufstätigkeit von Müttern in Deutschland sogar einige Prozentpunkte über dem Durchschnitt in Europa. In den Ländern Schweden und Dänemark waren es 2017 sogar 86%, bzw. 83% der Mütter, die trotz Kind arbeiten gingen. In den Ländern Italien oder Griechenland hingegen gingen in diesem Zeitraum „nur“ 54% bzw. 55% der Mütter einem Job nach.

Obwohl so viele Frauen in Deutschland mit Kind einem Beruf nachgehen, tun sie dies häufig im Teilzeit-Modell, gehen also nicht Vollzeit arbeiten. In Deutschland arbeiten durchschnittlich zwei von drei Müttern in Teilzeit, je höher die Kinderanzahl steigt, desto höher wird auch der Anteil der Mütter, die in Teilzeit arbeiten gehen.

Kind oder Beruf- das Rollenbild in Deutschland: Bashing gegen Hausfrauen und arbeitende Frauen

Trotz der oben genannten Statistik muss auch das typische Rollenbild in Deutschland zumindest kurz thematisiert werden. Obwohl es sehr viele berufstätige Mütter gibt, sehen sich sehr viele Männer noch immer als „Ernährer und Versorger“ der Familie an. Daher arbeitet der Mann oft ganz normal weiter, während die Frau entweder komplett in Elternzeit oder Mutterschutz geht oder ihren Beruf ganz aufgibt, wenn das erste Kind geboren wird.

Diesem „Rollenbild“ gegenüber steht jedoch auch der Wille vieler Frauen, ihr Geld selbständig zu verdienen und wieder arbeiten zu gehen, wenn das Kind erstmal auf der Welt ist. Vielleicht hast Du diesen Widerspruch auch schon einmal gehört: gehst Du als Mutter- schon nach kurzer Zeit- wieder arbeiten heißt es: wie, Du willst Deinen Sohn jetzt schon zur Tagesmutter/in die KiTa bringen?

Wenn Du Dich dagegen (in Absprache mit Deinem Mann) dazu entschieden hast, tatsächlich erstmal „nur“ Hausfrau und Mutter sein zu wollen, macht es Dir Dein Umfeld (Familie, Verwandte) auch nicht gerade einfach. So berichteten etwa vier Mütter in einem Artikel der Zeitschrift „Eltern“ von ihrem Dasein als Hausfrau und Mutter.

Oft reagierte das Umfeld mit wenig Verständnis für die Situation, den Frauen wurde vorgeworfen faul zu sein, nichts zum Lebensunterhalt beizutragen und sich auf Kosten des Mannes durchfüttern/ aushalten zu lassen. Schließlich hätten Vorreiterinnen ja dafür gekämpft, dass Frauen gleichberechtigt Arbeiten gehen dürften. Auch wurden die im Artikel portraitierten Frauen gefragt, ob es ihnen wirklich genug sei, bloß als Hausfrau und Mutter da zu sein.

Doch auch als berufstätige Mutter bekommt man sein Fett weg. Im oben beschriebenen Artikel äußerte sich eine Hausfrau, dass in ihrem Bekanntenkreis sehr viele Frauen arbeiten gingen. „Ich kenne viele Frauen, die arbeiten. Allerdings müssten die das gar nicht. Finanziell würde es reichen, wenn nur der Mann arbeiten geht. Doch die Frauen wollen sich ihren Lebensstandard erhalten und sind egoistisch, wenn sie ihr Kind in die Krippe geben“. Du siehst also, es gibt immer irgendeine Meinung zu berufstätigen Müttern- positive und auch negative.

Schade ich als berufstätige Mutter meinem Kind?

Vielleicht hast Du Dir als berufstätige Mutter auch schon oft diese Frage gestellt: füge ich meinem Schatz emotionalen Schaden zu, wenn ich mich für Familie und Beruf entscheide? Dieser Frage haben sich schon unzählige Studien gewidmet, unter anderem auch eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Dieser zufolge musst Du Dir als berufstätige Mutter überhaupt kein schlechtes Gewissen machen oder sogar einreden lassen. Vielmehr kann es Deinem Kind sogar gut tun, wenn Du als berufstätige Mutter einen Teil zum Lebensunterhalt beiträgst.  Es wurden etliche Studien in Deutschland und auch weltweit durchgeführt und ausgewertet, bzw. zusammengefasst.

Welche Vorteile Dein Kind hat, wenn Du eine berufstätige Mutter bist:

Gesunde Mutter-Kind-Beziehung

  • Die Mutter-Kind-Beziehung leidet nicht, wenn Du zum Beispiel nach dem Mutterschutz oder auch später wieder arbeiten gehst

Angemessene Betreuungssituation ist förderlich für das Kind

  • Grundlage für ein zufriedenes und ausgeglichenes Kind ist auch die Betreuungssituation in der Kindertagesstätte oder einer Tagesmutter
  • Ist Dein Sohn/Tochter unter einem Jahr, muss die Betreuungssituation natürlich auch genau zu Deinem Kind passen, damit es hier nicht zu Schwierigkeiten kommt
  • Ist der Kindergarten gut gewählt, kann Dein Sohn/Deine Tochter nur profitieren: soziale Kompetenzen werden gestärkt, ebenso das Sprach- und Lernverhalten
  • Gerade als Einzelkind tut es Deinem Sohn oder Deiner Tochter sicherlich gut, wenn es in Kontakt mit gleichaltrigen Kindern kommt
  • Auch die kognitiven Fähigkeiten Deines Kindes können sich verbessern und gezielt gefördert werden (also Wahrnehmung, Denken, Erkennen/Lösen von Problemen etc.)

Den Kindern ein Vorbild

  • Für die spätere Schullaufbahn eines Kindes kann es sich positiv auswirken, wenn Du als berufstätige Mutter den Lebensunterhalt verdienst: so zeigten diverse Studien, dass sich die Noten in der Schule und der weiterführenden Schule (Gymnasium etc.) verbesserten. Kinder, deren Mütter Zuhause waren, verbesserten sich dagegen nicht so stark. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du selbst über einen Uniabschluss verfügst oder eine alleinerziehende Mutter bist.
  • Die Noten verbessern sich deshalb, weil Du Deinem Sohn/Deiner Tochter ein hohes Maß an Eigenmotivation mit auf den Weg gibst: Dein kleiner Schatz erhält auch auf der Real- oder Hauptschule eine Vorstellung davon, wie das Berufsleben aussieht, kann auch von Deinen Erfahrungen oder Erzählungen profitieren

Geteilte Verantwortung

  • Ein weiterer Vorteil, der Deinem Sohn/Deiner Tochter zugute kommen kann, wenn Du eine berufstätige Mutter bist, ist die, dass sich auch der Kindsvater im Allgemeinen mehr um das Kind kümmert, sich mit ihm beschäftigt und an der Erziehung teilnimmt.
  • Somit rückt Deine gesamte Familie zusammen, dies tut der kompletten Beziehung gut und gibt Deinem Kind eine emotionale Stabilität.

Bessere Zukunftsperspektiven

  • Ein weiterer, nicht zu verachtender Vorteil, den Du als berufstätige Mutter hast: mit einem zusätzlichen Einkommen kannst Du Deinem Kind in der Regel auch mehr bieten. Dies steigert nicht nur die Zufriedenheit bei Deinem Kind, sondern auch bei Dir. Wie angenehm es einfach sein kann, nicht dauernd „nein“ sagen zu müssen oder jeden Cent dreimal umzudrehen. Gerade, wenn Dein Mann/Partner auch noch arbeitet, wirst Du das zusätzliche Gehalt natürlich im Portemonnaie und auf dem Konto spüren. So kannst Du Deinem Kind entweder Ausflüge, ein neues Hobby oder auch kulturelle Aktivitäten, wie etwa einen Museumsbesuch ermöglichen. Dies steigert auch den Horizont Deines Kindes, es blickt über den Tellerrand hinaus.

Förderlich für die Entwicklung Deines Kindes

  • Je nach Alter des Kindes förderst Du auch seine Selbständigkeit. So kann es- je nach Reifegrad und Können- sich sein Essen beispielsweise mal selbst zubereiten, bevor Du als berufstätige Mutter nach Hause kommst. Auch bei den Hausaufgaben kann sich Dein Kind nicht immer unmittelbar an Dich wenden, sondern muss eventuell zuerst selbst nach Lösungen suchen. Sobald Du oder Dein Partner nach Hause kommen, solltet ihr natürlich die Hausaufgaben eures Sprösslings kontrollieren.
  • Übst Du Deinen Beruf gerne aus? Prima! Dies spürst nicht nur Du, sondern auch Dein Sohn/Deine Tochter und nimmt Arbeit/das Berufsleben ebenso positiv wahr. Ebenso vermittelst Du Deinem Kind, dass Arbeiten zwar zum Leben dazugehört, die Arbeit aber erfüllend und sinnhaft sein kann. Zudem vermittelst Du grundsätzliche Werte wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Stressresistenz etc., alles Dinge, die Du nicht nur als berufstätige Mutter brauchst, sondern die Deine Tochter/Dein Sohn ebenso später benötigt.

Kind oder Karriere- oft nagt das schlechte Gewissen

Gerade bei der Frage: Kind oder Karriere plagt die berufstätige Mutter häufig ein schlechtes Gewissen, welches sie aber gar nicht haben müsste. Schließlich hat es für Deine Tochter oder Deinen Sohn erhebliche Vorteile, wenn Du nach einer gewissen Zeit wieder arbeiten gehst. Dies muss ja nicht unmittelbar nach der Geburt Deines Schatzes passieren. Zudem solltest Du Dir auch bei dem Gedanken Kind oder Karriere darüber klar sein, dass auch für Dich viele Vorteile bringt, als arbeitende Mutter tätig zu sein, bzw. tätig sein zu dürfen.

  • So kommst Du als berufstätige Mutter (sofern Du nicht von Zuhause aus arbeitest) einfach mal raus, kannst auf dem Weg zur Arbeit sogar Kraft tanken, einfach mal Deine Lieblingsmusik hören, anstatt die Kinderlieder der Kinder
  • Du kannst als berufstätige Mutter natürlich auf der Arbeit über ganz andere Themen sprechen- natürlich liebst Du Deinen Sohn/Deine Tochter, dennoch kann es toll sein, über Rechnungen, Kalkulationen, Kunden zu sprechen anstatt über Windeln, Babynahrung oder Erbrochenes
  • Familie und Beruf bedeutet auch, dass Du selbst noch als eigenständige Person funktionierst: Du bist nicht nur Mutter und Hausfrau, sondern auch Frau, Arbeitnehmerin, Chefin etc.
  • Auch das Äußere spielt natürlich eine Rolle: als Hausfrau und Mutter denkt man vielleicht nicht immer an die Haare/Frisur oder die Klamotten, was auch in Ordnung ist. Bewegst Du Dich jedoch als berufstätige Mutter draußen, achtest Du dementsprechend (mehr) auf Dein Aussehen, gehst vielleicht einmal mehr zum Friseur als Du eigentlich müsstest. Dies tut Dir auch gut: Du hast zudem das nötige Geld, Dir den Friseur zu leisten, bzw. hast es Dir sprichwörtlich „verdient“.
  • Die Berufstätigkeit von Müttern kann sich auch positiv in Deiner Beziehung zu Deinem Partner/Mann äußern. Ihr habt- neben den Kindern- auch noch ein anderes Gesprächsthema, nämlich die Arbeit und könnt euch dementsprechend Erlebnisse, Anekdoten erzählen oder euch einfach austauschen
  • Die Berufstätigkeit von Müttern verlangt von Dir ganz neue Kompetenzen: nicht nur Du musst Dich morgens vor der Arbeit fertigmachen, sondern auch Deine Tochter/Dein Sohn muss in den Kindergarten oder in die Schule. Vielleicht muss vorher noch der Hund raus. Nun ist Organisation gefragt. Wäre Dir früher noch die Hutschnur geplatzt, geht dies natürlich nicht mehr so einfach, automatisch wirst Du stress-erprobter, gewinnst mehr Selbstbewusstsein und schaffst Dinge, die Du vorher nicht für möglich gehalten hättest. Die Kombination Familie und Beruf kann Dich somit nur stärker machen

Familie und Beruf- Vorbereitung ist alles

Bevor Du Dir auch nur die Frage Kind oder Karriere stellen solltest, gilt es natürlich, Deinen Sohn oder Deine Tochter entsprechend in eine gute Betreuung zu geben. Vielleicht bleibt sogar Dein Mann/Partner eine Zeit Zuhause und kann sich um euren Schatz kümmern. Ab einem bestimmten Alter ist es auch für Sohn/Tochter schön, in den Kindergarten oder zu einer Tagesmutter zu gehen.

Auf jeden Fall sollte diese Wahl nicht nur Deinem Sohn/Tochter gefallen, sondern auch Dir und Deinem Partner. Schließlich soll euer Schatz dort während der Arbeit gut aufgehoben sein. So spielen folgende Kriterien eine Rolle oder können bei der Wahl des Kindergartens / der Tagesmutter wichtig sein:

  • Ist der Kindergarten weit weg von Zuhause/der Arbeitsstelle? Welche Fahrzeit muss ich einkalkulieren?
  • Wie lange betragen die Wartezeiten? Kommen die Kinder auf eine Warteliste? Wenn Du auf dem Land/in einem Dorf wohnst, erhalten die dort wohnenden Kinder oft den „Vorzug“. Auch als berufstätige Mutter kannst Du einen Vorteil gegenüber Hausfrauen haben, wenn es um die Platzvergabe geht
  • Welches Konzept verfolgt der Kindergarten? Gehen die Kinder oft nach draußen/in den Wald? Werden Ausflüge unternommen?
  • Wie setzt sich die Gruppengröße zusammen? Wie viele Erzieher sind pro Gruppe zuständig?
  • Welche Kosten kommen auf mich zu? Einige Kommunen bieten die Kinderbetreuung kostenlos an, einige erst ab 3 Jahren, einige schon früher. Hier kann Dich Deine Kommune entsprechend beraten

All diese Faktoren solltest Du beachten, wenn Du Dein Sohn/Tochter fremdbetreuen möchtest. Nur so kannst Du auch beruhigt Familie und Beruf vereinbaren, so dass alle Familienmitglieder zufrieden sind.

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3 Kommentare zu „Kind oder Karriere? Der Spagat zwischen Kind und Beruf“

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