So verfasst Du Deine Selbstbeurteilung – Der schmale Grat zwischen Eigenlob & Unterschätzung

Wenn Du Dich entschieden hast, Deinen Mitarbeiterbeurteilungsbogen selbst zu verfassen, solltest Du grundsätzlich auf eines verzichten: Auf das Eigenlob. Das bedeutet allerdings auch, dass das Thema Selbstbeurteilung verfassen eine gewisse Herausforderung darstellt.

Denn letztendlich geht es darum, dich mit der Selbstbeurteilung ins rechte Licht zu rücken, deine Person zu bewerben und davon zu überzeugen, dass Du als Arbeitnehmer eine echte Bereicherung für das Unternehmen bist, weil Du auch im vorangegangenen Unternehmen gute Dienste geleistet hast.

Doch wie sieht so eine Selbstbeurteilung aus, wenn das „stinkende Eigenlob“ keinen Platz in deinem Mitarbeiterbeurteilungsbogen hat? Wir wollen Dir in diesem Ratgeber aufzeigen, wie Du Deine Selbsteinschätzung schreiben kannst, ohne dabei zu übertreiben. Grundsätzlich geht es natürlich darum, dass Du Deine potentiellen Fach- und Führungskräfte sowie deine Deine Leistungen analytisch und objektiv präsentierst.

Deshalb ist wichtig, dass Du Dir bewusst bist, dass Deine Selbstbeurteilung eine Gratwanderung ist, welche sich zwischen Selbstmarketing und Substanz bewegt. Zumindest, wenn diese Deinen Arbeitgeber überzeugen soll. Wählst Du dabei die richtigen Formulierungen und nutzt gewinnbringende Tipps, kannst Du Dir mit Deiner Selbstbeurteilung enorme Chancen ermöglichen.

Selbstbeurteilung: Die Vorbereitung auf das Mitarbeitergespräch als Arbeitnehmer und dessen Grundlagen

Geht es um die Aufforderung des Chefs für das nächste Mitarbeitergespräch, eine Selbstbeurteilung zu verfassen, trifft dies so manch einen Mitarbeiter völlig unerwartet. Auf den ersten Blick mag dieses Unterfangen nach dem Delegieren von Verantwortung und Arbeit aussehen. Dennoch handelt es sich um einen sinnvollen Schritt: Viele der Vorgesetzten tragen die Verantwortung für mehrere Mitarbeiter. Das bedeutet, dass diese nicht alle Leistungen und Entwicklungen der einzelnen Mitarbeiter im Auge behalten können.

Die Selbstbeurteilung welche der Arbeitnehmer verfasst hat, dient somit als gute Grundlage für das anstehende Mitarbeitergespräch. Außerdem liefert die Selbstbeurteilung einen guten Ansatzpunkt, um eine Beurteilung nach vorheriger Analyse zu verfassen. Als Arbeitnehmer hast Du mit Deiner Selbstbeurteilung somit die Chance, Deine Arbeitsleistungen ins richtige Licht zu rücken, Deine Kompetenzen und Stärken zu präsentieren und Deine Möglichkeiten zur Verbesserung klar zu benennen.

Außerdem hast Du mit Deiner Selbstbeurteilung die Möglichkeit, den Bedarf einer beruflichen Weiterbildung vorzuschlagen, sofern dies erforderlich und/oder gewünscht ist. Ebenso kannst Du Perspektiven und Entwicklungsoptionen vorschlagen. Diese Chancen bestehen natürlich nur dann, wenn Dein Vorgesetzter Deine Selbstbeurteilung einfordert und dem Inhalt aufgeschlossen gegenübersteht.

Nicht mit der Tür ins Haus fallen

Wenn Du Deine Selbstbeurteilung allerdings unaufgefordert auf den Tisch legst, weil Du Dir denkst es wäre besser, etwas vorzubereiten, könnte dies auch negativ aufgefasst werden. Denn die Leistungsbeurteilung obliegt noch immer dem Chef und es mag nicht immer sinnvoll sein, in diesen „Hoheitsbereich“ unaufgefordert vorzudringen. Denn nicht alle Chefs mögen diesen Aktionismus.

Es ist deshalb wichtig, dass Du Deine Selbstbeurteilung nur dann mitbringst, wenn du dazu aufgefordert wurdest. Sofern vor dem Mitarbeitergespräch keine Rede von Deiner Selbstbeurteilung ist, kannst Du Dich diplomatisch geben und anfragen, ob diese gewünscht ist. An dieser Stelle muss natürlich nicht erwähnt werden, dass sowohl die Formulierung, als auch der Tonfall entscheidend sind.

Unterstützend können dabei auch gute Argumente sein, welche Du Dir im Vorfeld überlegt hast. So kannst Du zum Beispiel deutlich machen, dass Deine Selbstbeurteilung lediglich eine Ergänzung darstellt und die finale Beurteilung selbstverständlich deinem Vorgesetzten obliegt. Ein weiteres Argument könnte sein, dass Du damit einfach nur eine Arbeitserleichterung liefern willst. Du kannst auch dahingehend argumentieren, dass Deine Selbstbeurteilung die Fähigkeiten deines Vorgesetzten keinesfalls in den Schatten stellt.

Wichtige Tipps, um das Einstellungsgespräch zu meistern

Das Mitarbeitergespräch gehört für viele Arbeitnehmer bedauerlicherweise in die Kategorie der unangenehmen Notwendigkeiten. Die nachfolgenden Tipps können dabei behilflich sein, sich auf das notwendige Übel vorzubereiten. Das Mitarbeitergespräch steht in den meisten Unternehmen einmal im Jahr an. Und in der Regel hat weder der Mitarbeiter noch der Chef Spaß an diesem Gespräch.

Das ist auch nicht verwunderlich, da dieses Gespräch nicht nur anstrengend ist, sondern auch einer guten Vorbereitung bedarf und nicht zuletzt auch sehr unangenehm sein kann. Das macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn man dem Mitarbeiter sagen muss, wo er beruflich stehen könnte, was jedoch nicht der Fall ist. Dann passiert es nicht selten, dass man sich als Arbeitnehmer anhören muss, dass man sich doch mehr anstrengen sollte.

Um so ein Gespräch so angenehm wie möglich zu gestalten, wollen wir zunächst ein fiktives Szenario aus der Sicht des Chefs aufzeigen.

Das optimale Mitarbeitergespräch: Richtiges Feedback geben

Damit das Jahresgespräch von allen Beteiligten nicht nur als unangenehm, sondern als hilfreich empfunden wird, sind natürlich mehrere Faktoren entscheidend. Die beiden wichtigsten davon sind: Zum Beispiel eine gute Vorbereitung, sowie die Zielsetzung, welche entweder vom Mitarbeiter oder auch vom Chef kommuniziert wird. Es ist wichtig, dass Du nicht auf gut Glück in so ein Gespräch stolperst.

Deshalb ist es sinnvoll, wenn Du Dir im Vorfeld den typischen Ablauf einmal vor Augen führst. Außerdem entscheidet deine innere Haltung welche Du diesem Gespräch entgegenbringst und natürlich auch der Inhalt, sowie letztendlich der gesamte Ablauf. Distanziere Dich von der Einstellung, dass Dein Gegenüber sowieso keine Ahnung von Deiner Arbeit hat. Du solltest auch nicht mit dem Vorsatz in das Gespräch gehen, dass Du es so schnell wie möglich hinter dich bringen willst, indem Du nur kurz und knapp antwortest.

Das kann unter Umständen zu einem richtigen Debakel werden. Es ist wesentlich besser, wenn Du dem Gespräch offen gegenübertrittst und dieses als Chance siehst, Dich zu verbessern und dadurch vielleicht bessere Konditionen einstreichst.

Wie sieht es eigentlich mit dem Arbeitsrecht aus? Darf ich das Mitarbeitergespräch auch verweigern?

Diese Frage lässt sich kurz und knapp beantworten: Nein! Der Chef hat das Recht jeden seiner Mitarbeiter zu jedem beliebigen Zeitpunkt zum Mitarbeitergespräch zu zitieren. Darüber hinaus musst Du auch Deinem Vorgesetzten Auskunft über sämtliche Sachverhalte geben, welche mit deinem Arbeitsbereich zusammenhängen. Solltest Du das Gespräch verweigern, bedeutet das einen Pflichtverstoß in Bezug auf deine arbeitsvertraglichen Regelungen.

Wesentlich undeutlicher ist es geregelt, ob Du als Arbeitnehmer auch Auskunft über Sachverhalte geben musst, welche Dich selbst belasten. Das betrifft zum Beispiel Compliance-Verstöße. In diesem Fall wertet der beauftragte Jurist, das Aussageverweigerungsrecht deutlich höher als die Pflicht zur Auskunft.

Anders verhält es sich bei Angaben welche sich außerhalb deines Arbeitsbereiches bewegen. Das Persönlichkeitsrecht sowie der Schutz Deiner Privatsphäre greifen in diesem Fall nicht, wenn aus Deinem (Fehl-)Verhalten Nachteile oder Schäden gegenüber Deinem Arbeitgeber resultieren. Dann bist du gezwungen, dich gegenüber deinem Arbeitgeber zu äußern.

Selbstbeurteilung schreiben – Deine Strategie und der Aufbau

Das Wichtigste was es beim Schreiben der Selbstbeurteilung zu beachten gibt, ist die Tatsache, dass Du Dich auf objektive Beispiele und konkrete Projekte beziehst. Allgemeine Aussagen solltest du in jedem Fall vermeiden. Du solltest also in jedem Fall vermeiden, eine Gesamtleistung zum Besten zu geben, da man diese kaum nachvollziehen kann. Mal abgesehen davon, dass es wesentlich überzeugender wirkt, wenn Du das Fazit Deinem Vorgesetzten überlässt.

Sofern dieser aufgrund Deiner aufgelisteten Fakten selbst zu diesem Schluss kommt, dann war es seine Idee, Und dieser Idee schenkt er definitiv mehr Glauben als Deiner subjektiven Bilanz. Du solltest in Deiner Selbstbeurteilung versuchen Deine wichtigsten Erfolge und Leistungen zu präsentieren und diese auch durch konkrete Beispiele belegen. Wichtig ist, dass du dabei absolut ehrlich bleibst.

Die richtigen Fragen stellen

Du kannst die Hilfestellung nutzen, um deine Selbstbeurteilung zu verfassen, indem Du Dir vorab bestimmte Selbsteinschätzungsfragen stellst, welche die wichtigsten Bereiche betreffen:

  • Wie steht es um meine funktionale Kompetenz?
  • Welche Projekte habe ich geleitet oder unterstützt?
  • War ich daran beteiligt, Probleme zu lösen?
  • Habe ich meine festgelegten Ziele erreicht?
  • Ist eine Steigerung zum Vorjahr erkennbar?
  • Habe ich auf qualitative Weise zur Wertschöpfung beigetragen?
  • Wie steht es um meine soziale Kompetenz?
  • Trage ich dazu bei, dass ein positives Arbeitsklima herrscht?
  • Bin ich konstruktiv und klar in meiner Kommunikation?
  • Konnte ich Konflikte lösen? Und wenn ja, wie?
  • Wie kooperiere ich mit Arbeitskollegen?
  • Welches Engagement habe ich gezeigt?
  • Wie steht es um meine Entwicklungskompetenz?
  • Welche meiner Stärken sollte ich weiterentwickeln?
  • Habe ich Fehler gemacht? Und wenn ja, habe ich aus diesen gelernt?
  • Was kann ich besser machen, beziehungsweise woran sollte ich arbeiten?
  • Womit könnte ich meine Leistungen optimieren?

Wie Du siehst, ist es bei der Selbstbeurteilung nicht nur wichtig die positiven Aspekte herauszuarbeiten. Auch die Schwächen sollten ein Thema im Mitarbeitergespräch sein. Wenn Du Deine Schwächen aktiv ansprichst und Verbesserungspotentiale erkennst, um diese vorzuschlagen, hast Du durchaus die Möglichkeit Pluspunkte zu sammeln. Damit erhöhst Du auf jeden Fall die Glaubwürdigkeit Deiner Selbstbeurteilung.

Im Anschluss hast Du auch durchaus die Möglichkeit Unterstützung im Rahmen einer Fortbildung einzufordern. Selbstverständlich nur in moderater Form. Wenn es darum geht, die Selbstbeurteilung zu verfassen, solltest Du stets darauf achten, dass Du keine Umstände oder sogar Kollegen für Deine Misserfolge verantwortlich machst. Dadurch machst Du Dich selbst nur klein und wirfst ein schlechtes Licht auf Dich.

Vorsicht beim Ausdruck und der Formulierung

Wenn Du Deine Selbsteinschätzung schreiben sollst, dann ist das Schönreden tabu. Bestimmte Formulierungen und Floskeln sollten unbedingt vermieden werden.

Zum Beispiel:

„Ich bin teamfähig“ oder „Mein Organisationstalent ist bestens ausgeprägt“

Denn wenn Du dafür keinen Beleg liefern kannst, ist das nichts weiter als eine Behauptung und die hat dort nichts zu suchen, wenn es darum geht Deine Selbstbeurteilung zu verfassen.

Der Grundton Deiner Selbsteinschätzung sollte natürlich stets positiv und vor allem bestimmt sein. Achte darauf, dass Du den Konjunktiv vermeidest. Das betrifft zum Beispiel Formulierungen wie:

„Ich könnte mir vorstellen, dass…“

Denn mit dem Konjunktiv schwächst Du Deine Aussage ab und in Deiner Selbsteinschätzung sind nur noch vage Vermutungen zu lesen. Schließlich beruht die Selbsteinschätzung auf Fakten, die sich nachvollziehen lassen. Deshalb solltest Du natürlich auch dazu stehen. Um eine insgesamt positive Botschaft und Wirkung zu erzielen, solltest Du aktive Ich-Aussagen wählen.

Viele Angestellte lassen sich gern dazu verleiten, Ihre Selbstaussagen so zu verfassen, das darin immer wieder „man könnte“ oder „man sollte“ steht. Da stellt sich der Vorgesetzte natürlich zurecht die Frage: Wer ist denn dieser „man“? Deshalb solltest Du überzeugendere Aussagen wählen, wie zum Beispiel: Im letzte halben Jahr habe ich es geschafft, dass… .

Zugegeben, die Selbstbeurteilung zu verfassen, ist nicht so einfach. Letztendlich besteht die Kunst darin, einen aktiven und selbstbewussten, jedoch keinen überheblichen oder arroganten Ton an den Tag zu legen. Wenn Du zweifelst, dann lass Deine Selbsteinschätzung von ein oder zwei Freunden lesen und achte darauf, dass es sich um Menschen handelt, welche Dir auch ehrlich sagen, wenn etwas nicht passt.

Feedback einholen

Nutze die Resonanz dieser Menschen, um ungünstige Formulierungen oder kritische Punkte umzugestalten. In der Regel läuft es so ab, dass Du Deine Selbsteinschätzung einige Tage vor dem Gespräch beim Chef abgeben musst, damit dieser die Möglichkeit hat, sich entsprechend vorzubereiten. Du solltest Dich auf jeden Fall darauf einstellen, dass die Einschätzung Deines Chefs in manchen Punkten von Deiner Selbstbeschreibung abweicht. Das ist völlig normal und kein Grund zur Panik. Die daraus resultierenden Differenzen dienen als Grundlage des Gesprächs und können das Ergebnis deutlich beeinflussen. Im Idealfall zu Deinen Gunsten.

Tipp: Der Begründungs-Effekt

Die beiden Psychologen Robert Cialdini und Ellen Langer haben den sogenannten Begründungs-Effekt erforscht. Anscheinend reagiert der Mensch enorm auf eine Begründung. Um genau zu sein, auf das kleine und unscheinbare Wort „weil“. Auch bei fadenscheinigen Begründungen machen die Leute exakt das, was von ihnen verlangt wird, wenn sie zuvor das Wort „weil“ gehört haben.

Du kannst diesen Effekt in deiner Selbstbeschreibung dosiert einsetzen. Wenn Du in Deinem Gespräch zum Beispiel einen Fortbildungslehrgang anstrebst, kannst du diese „Forderung“ mittels Begründungs-Effekt, also mit einem „weil“ verstärken. Auf diese Weise unterstreichst Du die Notwendigkeit. Zum Beispiel mit folgendem Satz: „Ein Weiterbildungslehrgang schafft Mehrwert, weil…“ .

Fazit – Mit einer optimalen Vorbereitung bist Du auf der sicheren Seite

Wichtig ist, dass Deine Selbstbeschreibung kein Eigenlob aufweist. Alles, was Du in Deinem Gespräch behauptest, solltest Du auch belegen können. Es kommt schlussendlich auf die Formulierungen an, welche Du vor Deinem Gespräch üben solltest. Das kannst Du am besten vor einem Spiegel machen.

Stelle Dir im Vorfeld die aufgelisteten Selbsteinschätzungsfragen, um dich optimal auf das Gespräch vorzubereiten. Und nicht vergessen: Mit einer Begründung verstärkst Du Deine Forderungen. Und ebenso wichtig: Nicht nur Stärken sollten Bestandteil Deiner Selbsteinschätzung sein. Auch die Schwächen gehören dazu.

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