Netzwerken wie ein Profi – Wie Du nie wieder einen Namen vergisst

Es gibt kaum eine unangenehmere Situation: Du fängst frisch in einem Unternehmen an und Du stehst plötzlich vor einem Deiner neuen Kollegen, dessen Namen Du Dir einfach nicht merken kannst. Oder Du befindest Dich gerade geschäftlich auf einer Messe oder einem Kongress, hast jede Menge neue Geschäftskontakte geknüpft und kannst den vielen neuen Gesichtern die ganzen neuen Namen nicht zuordnen.

Keine Sorge – solche Situationen kennen die meisten von uns. Jedoch kommt man in vielen Jobs einfach nicht drum herum, sich viele Namen merken zu müssen. Gerade im Vertrieb oder als Führungskraft zählt das Namen merken zum A und O. Professionelles Netzwerken ist quasi Teil des Berufs. Vielen Menschen jedoch fällt gerade das Merken von Namen und das Zuordnen zu Gesichtern extrem schwer.

Es gibt aber gute Neuigkeiten: Mit den nachfolgenden Techniken und Tipps kannst Du Dein Gedächtnis so trainieren, dass Du Dir Namen merken kannst. Und das quasi spielend und ab sofort!

Wieso wir uns keine Namen merken können

Es gibt sogenannte Gedächtniskünstler, denen fällt es ganz leicht: Innerhalb von nur wenigen Minuten merken sie sich Dutzende von neuen Gesichtern und den dazugehörigen Namen. Manche können sich so gut Namen merken, dass sie damit im Guinessbuch der Rekorde landen. So wie der Neurowissenschaftler und Physiker Boris Nikolai Konrad, der sich innerhalb von 15 Minuten über 200 Namen merken und die dazugehörigen Gesichter einprägen konnte.

Die meisten von uns tun sich damit jedoch eher schwer – aber warum ist das so? Dass wir uns Namen schlechter merken können, hat zum Teil mit der Evolution zu tun. Schließlich haben wir lange zuerst immer nur das Gesicht unserer Mitlebewesen gesehen, bevor sich unsere Namen entwickelt haben. Eine Tatsache, die sich bei Schimpansen nachweisen lässt: Die Tiere sind in der Lage, andere Affen anhand ihrer Gesichter zu unterscheiden. Das individuelle Namensgedächtnis ist zum einen aber auch eine Sache der Veranlagung.

Manche können sich Namen einfach besser merken als andere. Frauen zum Beispiel wird nachgesagt, dass sie sich Namen tendenziell besser merken können als Männer. Zum anderen ist es aber auch eine Frage des Gedächtnistrainings – sich Namen zu merken kann man nämlich trainieren! Namen allein sind für unser Gehirn einfach zu abstrakt.

Je mehr Informationen zu einem Namen dazukommen, wie ein Gesicht, eine Geschichte, ein Bild, eine Situation, desto mehr Bereiche des Gehirns werden angeregt. Und je mehr Gehirnareale angeregt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns einen Namen merken können.

Alles Typsache

Bevor man mit dem Gedächtnistraining beginnt, ist es zunächst sinnvoll, herauszufinden, welcher Lern- oder Gedächtnistyp man eigentlich ist, sprich, auf welche Reize Dein Gedächtnis am besten reagiert. Grundsätzlich gilt: Wer den eigenen Lerntyp kennt, lernt besser und schneller. Denn Techniken für das Gedächtnistraining bringen am meisten, wenn sie gezielt eingesetzt werden und zum eigenen Typ passen. Man unterscheidet zwischen vier verschiedene Lerntypen. Um sich besser Namen merken zu können, solltest Du also erst analysieren, zu welcher Kategorie Du gehörst.

Der visuelle Typ

Dem visuellen Lerntyp hilft es, die Dinge aufgeschrieben zu sehen oder sich Sachen in Bilder zu „übersetzen“. So kann er sich die Informationen besser merken. Wenn Du zu diesem Gedächtnistyp gehörst, solltest Du versuchen, auf auffällige körperliche Merkmale Deines Gegenübers zu achten und Symbole für den Namen zu finden. Lies auch hier unseren Tipp zur Anwendung der Anker-Schlüsselwort-Methode.

Der auditive Typ

Der auditive Typ übernimmt und speichert Informationen hauptsächlich über das gesprochene Wort. Er kann sich Dinge, die mündlich weitergegeben werden besser merken , als wenn er sie lesen würde. Der auditive Lerntyp würde zum Beispiel eher zu einem Hörbuch, als zu einem richtigen Buch greifen. Wenn Du also der auditive Lerntyp bist, solltest Du Dir, um Dir einen neuen Namen zu merken, den neuen Namen immer wieder laut vorsagen oder ihn immer wieder ins Gespräch mit einfließen lassen.

Der haptische Typ

Haptische Lerntypen merken sich Sachen am besten über eigene praktische Erfahrungen oder über den Einsatz der Hände. Solltest Du zu dieser Gedächtniskategorie gehören, kann es Dir helfen, den Namen Deines Gegenübers aufzuschreiben um sich den Namen zu merken. Falls das im Moment nicht geht, solltest Du es Dir zumindest vorzustellen, wie Du den Namen auf ein Blatt Papier schreibst. Zusätzlich könntest Du Dich noch nach der richtigen Schreibweise des Namens erkundigen. Diese zusätzliche Information aktiviert einen weiteren Bereich Deines Gehirns, was es Dir erleichtert, Dir den Namen zu merken.

Der kommunikative Typ

Dem kommunikativen Typ helfen Gespräche und Diskussionen, um sich Dinge gut merken zu können. Sollte das Dein Lerntyp sein, unterhalte Dich viel mit Deinem Gegenüber und versuche auch hier, immer wieder den neuen Namen in die Unterhaltung mit einfließen zu lassen um sich den Namen zu merken.

Alles eine Frage des Trainings – mit Mnemotechnik zum Erfolg

Mnemotechnik – das klingt erst einmal kompliziert, bedeutet im Grunde aber nichts anderes als Gedächtnistraining. Mnemotechnik befasst sich in erster Linie damit, Methoden zu entwickeln, um sich Dinge besser merken zu können. Bereits die alten Griechen befassten sich mit dieser faszinierenden Technik.

Das Tolle dabei: Jeder von uns kann Mnemotechniken lernen – und auch anwenden! Mithilfe von Methoden der Mnemotechnik werden verschiedene Bereiche unseres Gehirns aktiviert und die zu speichernden Informationen werden mit Bildern verknüpft. Mnemotechniken können Dir eine enorme Hilfe dabei sein, um Dir zukünftig jeden Namen zu merken.

Die Anker-Schlüsselwort-Methode

Bei der sogenannten Anker-Schlüsselwort-Methode soll es sich angeblich um einen der besten Wege handeln, um sich Namen gut merken zu können. Nehmen wir mal an, Dir stehen zwei Personen gegenüber: ein Matthias Becker und eine Hannah Dietrich. Um Dir diese Namen zu merken, benötigst Du im ersten Schritt zunächst einen visuellen Anker bei der jeweiligen Person. So könnte Matthias zum Beispiel besonders große Schneidezähne haben und Hannah auffallend blaue Augen.

Im zweiten Schritt suchst Du nach einem passenden Symbol für den Namen Deiner Gegenüber. Beim Namen Matthias könnt das eine Matte wie im Sportunterricht sein, beim Namen Hannah vielleicht ein Hahn. Im dritten Schritt müssen Anker und Symbol miteinander verbunden werden. Matthias beißt also mit seinen großen Zähnen in eine Sportmatte und Hannah trägt statt eines Hutes einen Hahn mit blauen Laseraugen auf dem Kopf. Klingt verrückt? Das soll es auch sein! Je kreativer und komischer die Bilder, desto besser wirst Du sie Dir merken können.

Im letzten Schritt verbindest Du Vor- und Nachnamen in einer Art Merksatz miteinander. Für Matthias Becker könnte er so aussehen: Er beißt mit seinen großen Zähnen (Anker) in eine Sportmatte (Matthias), stellt dabei fest, dass diese ziemlich ekelig schmeckt und geht daraufhin zum Bäcker (Becker) und kauft sich ein Croissant. Hanna Dietrich wiederum könntest Du Dir so merken: Sie, mit einem Hahn mit blauen Laseraugen auf dem Kopf (Hannah + Anker), hat sich aus ihrer Wohnung ausgeschlossen, und benutzt einen Dietrich (Dietrich), um wieder hineinzukommen.

Den Namen richtig verstehen

Oft lassen sich Namen schlecht merken, wenn sie nicht richtig verstanden werden. Zum Beispiel wenn die Person, die den Namen nennt, besonders leise spricht, nuschelt oder undeutlich redet. Lege also Wert darauf, dass Du den Namen wirklich richtig verstanden hast, inklusive der richtigen Aussprache. Im Zweifel forderst Du Deinen Gegenüber dazu auf, den Namen nochmals zu wiederholen.

Das Kind beim Namen nennen

Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass manche Verkäufer im Verkaufsgespräch Dich immer wieder während des Gesprächs mit Deinem Namen ansprechen? Der Name wird dabei immer wieder in die Unterhaltung mit eingebaut: „Das ist ein guter Einwand, Frau Hartmann… ich verstehe, Frau Hartmann… auf Wiedersehen, Frau Hartmann.“ Das kann selbstverständlich nur eine Verkaufsstrategie sein, ist aber auch eine wunderbare Methode, um sich den Namen seines Gegenübers zu merken zu können.

Ein Begriff bleibt durch mehrmaliges Wiederholen besser im Gedächtnis haften. Gedächtnistrainer empfehlen, einen neuen Namen mindestens drei Mal aktiv im Gespräch zu verwenden, damit man ihn wirklich lernt. Das stetige Wiederholen hilft dabei auch gleichzeitig, ein Gesicht mit einem Namen zu verbinden und unterstützt das auditive Lernen.

In die Augen schauen

Das ist kein Scherz: Schaue Deinem Gegenüber beim Gespräch tief in die Augen. Untersuchungen zeigen, dass gerade das Gesicht, im speziellen die Augen, ausschlaggebend dabei ist, um sich Namen besser merken zu können. Andere Merkmale wie die Kleidung, die Frisur oder die Figur haben dagegen kaum einen Einfluss darauf. Zudem handelt es sich bei den Augen, im Gegensatz zu einem Haarschnitt oder der aktuellen Mode, um Merkmale, die sich im Laufe der Zeit kaum verändern. Du solltest nur darauf achten, dass Du die Person nicht anstarrst – das könnte einen komischen Eindruck bei Deinem neuen Kontakt hinterlassen.

Wenn gar nichts mehr hilft, hilft die Technik

Mnemotechnik hin, Gedächtnistraining her – irgendwann stoßen wir alle an unsere Gedächtnisgrenze. Gerade bei Messebesuchen, wo man geradezu von neuen Businesskontakten überschwemmt wird, kannst Du von Dir nicht erwarten, dass Du Dir all die neuen Namen und Gesichter auf Anhieb merken kannst.

Um daher beim Netzwerken trotz überfordertem Gedächtnis am Ball zu bleiben und keine peinliche Situation zu erleben, solltest Du auf die Errungenschaften der modernen Technik zurückgreifen: Speicher Deine neuen Kontakte in Deinem Smartphone und verknüpfe sie nach Möglichkeit gleich mit einem dazugehörigen Bild. Oder nutze Social Media Plattformen im Bereich Business. Geeignet dafür sind beispielsweise Netzwerke wie Xing, Facebook oder LinkedIn.

Namen vergessen, und jetzt?

Du hast unterschiedliche Techniken gelernt, Gedächtnistraining betrieben und geübt, geübt, geübt und dann ist es doch passiert: Du hast absolut keine Ahnung, wie die Person heißt, die Dir gerade gegenübersteht. In einer solchen – zugegeben äußerst unangenehmen – Situation, insbesondere beim Netzwerken, solltest Du nicht versuchen, Dich in Ausreden zu flüchten. Wir haben hier fünf Möglichkeiten für Dich, mit denen Du so elegant wie möglich mit dieser Situation umgehen kannst.

Die erste Möglichkeit ist vielleicht auch die einfachste: Sei ehrlich! Gib zu, dass Dir der Name Deines Gegenübers im Moment entfallen ist, und entschuldige Dich dafür.

„Ich würde Sie jetzt am liebsten mit Ihrem Namen begrüßen, aber die Wahrheit ist: Ich habe ihn vergessen. Es tut mir wirklich leid.“

Je charmanter Du diese Botschaft übermittelst, umso sympathischer wirkst Du auf die andere Person. Denn seien wir doch mal ehrlich: So etwas ist jedem von uns schon einmal passiert und macht uns nur menschlich.

Die zweite Möglichkeit ist, der Situation mit Humor zu begegnen. Ein witziger Spruch oder ein lustiges Zitat, wie das des deutschen Schauspielers Curt Goetz lockern die möglicherweise unangenehme Atmosphäre auf:

„Drei Dinge kann ich mir nicht merken. Das eine sind Namen, das andere Zahlen und das Dritte habe ich vergessen.“

Die dritte Möglichkeit lautet Ablenkung. Wenn Du es geschickt anstellst, merkt Dein Gegenüber eventuell nicht einmal, dass Du seinen Namen vergessen hast:

„Wie gut, dass ich Sie wiedersehe! Ich habe nämlich unglücklicherweise Ihre Visitenkarte verlegt. Sie haben nicht zufällig noch eine dabei?“

Die vierte Alternative ist Schmeichelei. Du bist dabei ehrlich und machst Deinem Gegenüber gleichzeitig ein Kompliment:

„Ich bin wirklich beeindruckt, dass Sie sich meinen Namen merken konnten, mir fällt das leider extrem schwer. Wie war noch mal Ihr werter Name?“

Die fünfte Möglichkeit ist das Verweisen auf eine andere Erinnerung. Denn: Nur weil Du den Namen der Person nicht merken konntest, bedeutet das nicht zwangsläufig auch, dass Du Dich nicht an sie erinnern kannst! Erzähle von dem letzten Gespräch, das ihr beide miteinander geführt habt. Das zeigt der Person, dass sie Dir, trotz fehlendem Namen, im Gedächtnis geblieben ist.

Fazit

Auch das gehört zum guten Netzwerken – anderen Personen im Gedächtnis bleiben und dafür zu sorgen, dass sie sich Deinen Namen merken können. Bringe Andere dazu, Dich nicht zu vergessen, indem Du innerhalb Deiner Gespräche viel lächelst! Das ist kein Scherz. Wissenschaftliche Studien belegen, dass teilnehmende Probanden sich lächelnde Gesichter deutlich besser merken konnten, als Gesichter die neutral aussahen.

Sobald die Probanden versuchten, sich andere Merkmale an den Gesichtern zu merken, wie eine auffällige Nase oder einen bestimmten Gesichtsausdruck, fiel das Ergebnis deutlich schlechter aus.

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