Mobbing am Arbeitsplatz – was tun, wenn man mit Bauchweh zur Arbeit gehen muss?

Statistiken belegen, dass jeder dritte Erwachsene bereits einmal Mobbing am Arbeitsplatz erlebt hat. Aber was genau ist Mobbing eigentlich? Es ist die Schikane eines Mobbingopfers über einen längeren Zeitraum hinweg. Der Gemobbte wird gedemütigt und ausgegrenzt. Mobbing im Arbeitsalltag ist leider weit verbreitet und kommt auch nicht aus heiterem Himmel oder von ungefähr. Vielmehr ist psychische Schikane ein schleichender Prozess.

Anfangs wird vielleicht nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Verschärft sich die Situation, kommen oftmals verbale Angriffe hinzu. Ab hier wird es gefährlich. Zuerst funkt es einfach nur, später kommt neuer Zündstoff hinzu und das Feuer schwelt bereits. Ohne Handlungsbedarf wird es sich zu einem akuten Flächenbrand ausbreiten. So ein lichterloh brennendes Flammeninferno kann jedoch schnell eingedämmt, gelöscht oder bereits im Keim erstickt werden.

Wie geht man mit mobbenden Kollegen um? Wie weist man solche Menschen am besten in die Schranken?

Ursachen von Mobbingaktivitäten

Die Gründe für Mobbing sind sehr vielfältig und hängen von verschiedenen Faktoren ab. Einige davon können sein:

  • persönliche Eigenschaften (Geschlecht, Hautfarbe oder soziale Herkunft)
  • Dein Berufsfeld, Deine Gesellschaftsschicht oder Deine Hierarchiestufe
  • Eine gewisse Angst des Mobbers (du könntest ihm z.B. den Rang ablaufen)
  • Frust, Neid und falscher Ehrgeiz
  • Die Unternehmenspolitik und die Arbeitsorganisation (strukturelle Fehler wie z.B. zu hohes Arbeitspensum, unklare Zuständigkeiten etc. erhöhen das Konfliktpotenzial einer Firma)

Ist es wirklich Mobbing?

Zuerst ist jedoch zu klären, ob man wirklich gemobbt wird. Meist ist es recht schwer zu differenzieren, ob Dein Gegenüber nur schlecht gelaunt ist, oder ob er Dich gezielt angreift. Manchmal können so sogar Wochen vergehen, bis man tatsächlich erkennt, dass man zum Mobbingopfer geworden ist.

Erste Hinweise auf eine Mobbinghandlung können sein:

  • Du wirst auf der Arbeit wie Luft behandelt
  • Deine Kollegen / Dein Chef verbreiten Gerüchte über dich
  • Dir werden wichtige Kompetenzen entzogen
  • Du erhältst keine Arbeit mehr
  • Deine Kollegen machen Dich lächerlich oder stellen Dich bloß
  • Du wirst aus sozialen Aktivitäten ausgegrenzt
  • Die Belästigung verläuft systematisch

Verhalten bei Mobbing

Die meisten Punkte stimmen mit Deiner aktuellen Situation überein? Dann solltest du dringend handeln! Im Folgenden findest du Handlungstipps für den Büroalltag, damit du die Opferrolle so schnell verlassen kannst, wie du in sie hinein getrieben wurdest.

1. Die Situation analysieren

Der erste Schritt ist, die Situation am Arbeitsplatz genau zu beobachten und auf keinen Fall untätig zu bleiben. So würdest du Dich nämlich noch weiter in die Mobbingopfer-Rolle hineindrängen lassen.

Analysiere lieber die Situation und stelle Dir folgende Fragen:

  • Welche Verhaltensweisen sorgen dafür, dass ich zum Mobbingopfer gemacht werde?
  • Welche Gründe bewegen den Mobber dazu, mir gegenüber so aggressiv zu sein?
  • Fühlen die Angreifer sich bedroht und mobben, um sich selbst zu verteidigen?
  • Bin ich vielleicht gar nicht die Zielscheibe, sondern nur das Ventil, an dem Luft abgelassen wird?

Natürlich lösen solche Überlegungen noch lange nicht die eigentliche Mobbingproblematik, aber sie sind ein erster Schritt, um sich aus der Mobbingopfer-Rolle zu befreien. Man kann die Situation klarer betrachten und besser einschätzen.

2. Gegen Mobber wehren!

Die einfachste Methode ist bereits altbekannt, einfach und dennoch immer noch am Wirksamsten. Die Devise heißt: Reden hilft! Wichtig ist, dass du sofort aktiv wirst, wenn du das Gefühl hast „mein Kollege schikaniert mich“ oder „der Chef mobbt „. Mobber lassen sich nämlich nur sehr selten durch Ignoranz beruhigen. Du wirst dann oft nur noch schlimmeren Angriffen ausgesetzt. Du solltest auch nicht übertrieben freundlich auf Dein Gegenüber reagieren.

Suche am besten umgehend das Gespräch mit dem Mobber, um ihn auf sein inkorrektes Verhalten anzusprechen. Du sendest so ein Signal, das in ihm eine Stopp-Reaktion auslösen wird. Oftmals reicht diese Art der Konfrontation schon aus, um die Attacken einzustellen. Durch ein solches Gespräch können Probleme beseitig, Missverständnisse aus dem Weg geräumt und Neid abgeschwächt werden.

Zusätzlich gibst du dem Mobber die Chance, sein Verhalten reflektieren zu können. Du wirst sehen, er wird voraussichtlich einlenken und seine Schikane bereuen. Der Vorteil: Der Mobber wird sich aber noch im Spiegel anschauen können, ohne sein Gesicht zu verlieren. Sich gegen Mobber zu wehren ist für Dich als Mobbingopfer essentiell wichtig. Gibst du klein bei und schweigst, wird Dein Gegenüber denken, dass von Dir keine Gefahr ausgeht und er Dir überlegen ist.

3. Notizen als Erinnerungsstütze

Um den Überblick zu wahren, mache Dir am besten Notizen. Ein Mobbingtagebuch zu führen wird Dir helfen! Wenn Dich jemand angreift oder verletzt, kannst du dies genau aufschreiben und belegen. In diesem Notizbuch werden nämlich alle Mobbingattacken detailliert aufgezeichnet und dokumentiert.

Natürlich ist dies mit einem gewissen Aufwand und Disziplin verbunden. Wichtige Inhalte des Tagebuchs sind das Datum des Vorfalls, die Zeit, die betreffende Person, eine genaue Beschreibung der Mobbinghandlung, Zeugen, Deine Reaktion und die Auswirkungen des Vorfalls. Mit diesen Aufzeichnungen bist du klar im Vorteil, sollte es zu einem arbeitsrechtlichen Prozess kommen.

4. Beschwere Dich

Gibt der mobbende Kollege nicht nach, zögere nicht und wende Dich an Deinen Vorgesetzten. Falls dieser ebenfalls beteiligt ist, musst du Dich direkt an den Arbeitgeber oder den Betriebsrat wenden. Sie werden sich vertrauensvoll um Deine Angelegenheit kümmern.

5. Unterstützung im Kollegenkreis

Du kannst Dir ebenfalls Verbündete in Deiner Gruppe suchen. Gibt es einen Kollegen, dem du vertraust und mit dem du offen reden kannst? Falls ja, weihe ihn ein und schildere ihm die Situation. Er wird die Angelegenheit aus einem anderen Blickwinkel betrachten und Dir seine unvoreingenommene Meinung mitteilen. Diese Vertrauensperson kann Dir sagen, ob du Dir alles einbildest, oder ob du die Situation zu engstirnig siehst. So gewinnst du etwas Abstand und stehst trotzdem nicht alleine da.

Zusammen mit diesem Kollegen kann ein Umdenken im Team einsetzen. Überdenkt gemeinsam eure Umgangsformen und arbeitet zusammen neue Verhaltensregeln für ein gemeinsames Miteinander aus. Eine so entstehende Gesprächskultur befreit Dich aus deiner Mobbingopfer-Rolle. Ohne solch wichtige Gespräche ist es für ein Kollektiv leichter, einen Einzelnen über Wochen hinweg auszugrenzen und anzugreifen. Diese Angriffsfläche wird durch klärende Gespräche gänzlich vermieden.

6. Greife auf professionelle Hilfe zurück

Wenn du keinen Ausweg mehr findest und alle Gespräche im Sande verlaufen sind, gibt es noch etliche Beratungsstellen, die sich auf Mobbing spezialisiert haben. Dort kannst du Dir ebenfalls Hilfe holen. Außerdem gibt es im Internet ebenfalls zahlreiche Anlaufstellen. In einschlägigen Foren findest du Hilfe und Unterstützung und kannst Dich sogar mit anderen Betroffenen austauschen.

Eine weitere Option wäre es, einen Rechtsanwalt zu Rate zu ziehen. Besonders lohnenswert ist dies natürlich, wenn du bereits eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen hast und diese auch vorweisen kannst. In einigen Prozessen konnte bereits vor dem Arbeitsgericht erreicht werden, dass der Arbeitgeber zur Zahlung von Schmerzensgeld und Schadensersatz verklagt wurde.

7. Halte Abstand

Überlege immer genau, wem du welche (sensiblen) Informationen anvertraust. Du schützt Dich selbst, indem du als Mobbingopfer Informationen nur ausgewählt weitergibst. So nimmst du dem Angreifer Konfliktpotenzial, da er irgendwann aufgrund der fehlenden Informationsgrundlage keinen wunden Punkt mehr finden wird.

8. Entspannung ist alles

Wichtig ist es zudem, dass du trotz der angespannten Situation Deine Akkus wieder auflädst und Energie und Kraft tanken kannst. Gönne Dir deshalb gerade in solchen Situationen Momente der Entspannung. Eine Massage, Autogenes Training oder ein Stressbewältigungsseminar können hier wahre Wunder helfen.

9. Jobwechsel als Ausweg

Ein Abteilungswechsel kann ebenfalls eine mögliche Option sein. Dies ist aber nur sinnvoll, wenn du von erfahrenen Führungs– oder Fachkräften während dieser Arbeitsplatzumbesetzung begleitet wirst. Ein gutes Eingliederungsmanagement ist zwingend notwendig, damit Abhilfe geschaffen werden kann. Dir sollte als Mobbingopfer die Chance auf Verbesserung gegeben werden und nicht wieder das gleiche Schicksal bevorstehen. Du kannst Dich natürlich auch nach einer neuen Berufsstätte umsehen, wenn es absolut keinen weiteren Ausweg gibt. Informiere Dich am besten rechtzeitig über einen Arbeitsplatzwechsel, falls dies für Dich in Betracht kommt.

Mein Chef mobbt mich

Gehen wir eine Stufe weiter. Nun sind es nicht mehr die Kollegen, die Dich mobben. Nehmen wir an, dass Dein Chef keine Gelegenheit auslässt, um Dich zu schikanieren. Natürlich macht es einen gravierenden Unterschied, ob man von Kollegen als Mobbingopfer „ausgewählt“ wird, oder ob Dir Dein eigener Chef das Leben schwer macht. Die eigenen Kollegen auf ein Fehlverhalten anzusprechen ist immerhin um einiges leichter, als den eigenen Chef damit zu konfrontieren.

Hier herrscht schließlich Respekt und Distanz, sodass du wahrscheinlich schwitzige Hände und Muffensausen bekommen wirst. Was also tun, wenn Dich der eigene Chef mobbt? Die Faustregel ist ganz einfach: Es ist egal, ob es heißt „mein Chef mobbt mich“ oder „der Kollege macht mir das Leben zur Hölle“. Wichtig ist, dass man sich frühzeitig geben Mobber wehrt und sich nicht zum Mobbingopfer machen lässt.

Direkt ansprechen

Oftmals liegt es einfach nur an einer schlechten Arbeitsorganisation zwischen Dir und Deinem Chef. Eine unklare Aufgabenverteilung begünstigt Mobbing definitiv. Sind die Arbeitsanweisungen deines Chefs nicht präzise genug und lassen viel Interpretationsspielraum oder es gibt keine richtige Organisationsstruktur, bist du schnell überfordert und leidest unter Leistungsstress. Passieren dann aufgrund dieser angespannten Situation auch noch Fehler, wird Dich Dein Chef vielleicht dafür verantwortlich machen, obwohl du nichts dafür kannst.

Sprich ihn in einem solchen Fall darauf an und bitte ihn um klare Organisationsstrukturen. Es spielt keine Rolle, ob es sich nur um kleine Sticheleien oder richtiges Mobbing handelt. Viel wichtiger ist es, auf die eigene Gesundheit zu achten. Fühlst du Dich über einen längeren Zeitraum hinweg unwohl, solltest du Dir auf jeden Fall Hilfe holen. Eine gute Anlaufstelle wäre etwa der Betriebsrat. Es ist schließlich unbestritten, dass eine langfristige Ausgrenzung bzw. Demütigung auf Dauer krank macht.

Wenn du also morgens nicht aus dem Bett kommst, weil Dir der bevorstehende Arbeitstag Bauchschmerzen bereitet, stimmt etwas nicht und du musst dringend handeln.

Kommt für mich therapeutische Hilfe in Betracht?

Das tückische an Mobbing ist die Tatsache, dass es sich oft über mehrere Wochen und Monate hinweg zieht. Dies ist natürlich mit einer extremen psychischen Belastung für Dich als Mobbingopfer verbunden. Du gerätst an Deine äußersten Grenzen. Nicht nur Dein Selbstwertgefühl wird dadurch stark angegriffen, sondern auch Dein seelisches Wohlbefinden. Du fängst an, Dir nichts mehr zuzutrauen und beginnst am Ende zu resignieren.

Dieser schleichende Prozess endet oft in einer Depression und kann unter Umständen sogar zu Selbstmordgedanken führen. In solchen Fällen ist es dringen notwendig, die Notbremse zu ziehen! Mobbing kann tiefgehende psychische Störungen wie z.B. Herz-Kreislauf-Beschwerden, Essstörungen, Magengeschwüre und Schwindel verursachen, weshalb eine Therapie oft eine wichtige Begleitmaßnahme darstellt. Lass Dich bitte am besten bei einer Mobbinganlaufstelle beraten, wenn du das Gefühl hast, keinen Ausweg mehr zu sehen.

Ich will mich beraten lassen – und nun?

Zugegeben, es ist nicht immer einfach, einen kompetenten Mobbing-Berater zu finden, denn auch hier gibt es einige schwarze Schafe. Dubiösen Angeboten im Internet solltest du aus dem Weg gehen, da hier oft schnelle Hilfe versprochen wird, aber im Endeffekt nur auf Dein Geld geachtet wird. Viel wichtiger ist ein klar strukturiertes Beratungskonzept! Ein guter Therapeut wir sich viel Zeit für Dich nehmen, kann einige Referenzen vorweisen und wird sein Honorar an dein Einkommen anpassen.

Fazit

Es ist wichtig, dass du niemals die Füße still hältst und dem Verhalten bei Mobbing entgegensteuerst, wenn du auch nur den Hauch einer Mobbinghandlung in deinem Arbeitsumfeld erkennen kannst. Sowohl als Betroffener als auch als Leidtragender. Du musst Dich als Mobbingopfer aktiv gegen Mobber wehren.

Dieser psychische Terror geht nicht nur auf die Substanz, sondern beeinträchtigt auch die Arbeitsabläufe immens. Dieser Teufelskreislauf darf niemals unterschätzt werden. Von daher ist es wichtig, Mobbing bereits im Keim zu ersticken und sich gegen den Mobber zu wehren. Such Dir passende Hilfe, mit der du Dich aus den Fängen des Mobbenden befreien kannst.

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1 Kommentar zu „Mobbing am Arbeitsplatz – was tun, wenn man mit Bauchweh zur Arbeit gehen muss?“

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