Was ein Händedruck über Dich verrät

Dein Händedruck vermittelt einen ersten Eindruck von Dir. Besonders im Bewerbungsgespräch kommt ihm eine Bedeutung zu, die den Wenigsten bewusst ist: Ob weicher Händedruck oder fester Händedruck, sagt viel über Dich aus. Wichtige Infos für den Personalchef! Denn wonach sollen Personaler gehen, wenn mehrere Kandidaten mit gleicher Qualifikation zum Gespräch erscheinen?
Dann entscheidet der Charakter. Und den kann ein geübter Personalchef auch am Händedruck ablesen. Eine wissenschaftliche Studie hat bestätigt: Bewerber mit dynamischem Händedruck sind bei Personalern beliebter, denn sie gelten als extrovertiert. Wir erklären, was ein dynamischer Händedruck überhaupt ist – und wie Du Deinen Handschlag optimieren kannst. Denn die Muskeln, die ursächlich daran beteiligt sind, lassen sich trainieren!

Was tut sich beim Händedruck?

Körpersprache und Händedruck gehören zusammen. Beide geben Deinem Gegenüber Signale, die im Bruchteil einer Sekunde wahrgenommen werden. Profis wie etwa Personalchefs sind Experten darin, Deine Körpersprache zu entschlüsseln. Sie tun das oft ganz bewusst. Andere Menschen lesen sie eher unbewusst – dafür aber ebenso deutlich. Ob wir jemanden mögen oder nicht, entscheidet sich deshalb schon im Moment des Kennenlernens. Zu diesem Moment gehört in unserer Kultur häufig das Reichen der rechten Hand.

Die Fülle an Informationen, die da auf uns einströmt, lässt sich kaum bewältigen. Denn Dein Händedruck kann eine Menge: Er zeigt, wie Du auf Menschen zugehst. Ob du extrovertiert bist oder nicht. Ob Du Dich deinem Gegenüber unterordnest oder gern die Führungsrolle übernimmst. Darüber hinaus verrät er natürlich auch, ob Du nervös bist, gelassen oder gar desinteressiert – deine momentane Befindlichkeit also. Die wiederum sagt etwas darüber aus, wie gut Du Dich in heiklen Situationen im Griff hast.

Was Dein Händedruck kann:

  • über die Rangordnung entscheiden
  • Nähe und Vertrauen herstellen
  • mehr über Deinen Charakter verraten
  • Dein Gegenüber sondieren
  • momentane Befindlichkeit – bist Du ruhig oder nervös?

Zudem hinterlässt Du bei jedem Händeschütteln auch etwas von Dir – sogenannte Pheromone. Von diesen Duftstoffen hängt ab, ob Dich Dein Gegenüber „riechen kann“ oder nicht. Sie beeinflussen das nun folgende Gespräch wesentlich, auch zwischen Angehörigen desselben Geschlechts! Während der Druck, den Du ausübst, noch trainierbar ist, endet hier jeder Versuch der Manipulation.

Körpersprache und Händedruck sind darum so etwas wie Deine erweiterte Visitenkarte. Besonders dem Handgeben gebührt ebenso viel Aufmerksamkeit wie Deinem restlichen Auftreten. Vor allem in entscheidenden Situationen wie dem Bewerbungsgespräch kannst Du damit punkten. Das solltest Du auch tun! Denn Du hast nur diese eine Chance: Ein kurzer fester Händedruck gilt als ideal. Er verhilft Dir zu einem besseren Start in das Gespräch.

Hand drauf: Eine kleine Geschichte vom Handschlag

Wer wissen will, wo der Händedruck eigentlich herkommt, tappt im Dunkeln: Der genaue Ursprung ist unbekannt. Abbildungen finden sich aber schon auf römischen Münzen. Dort steht er als Zeichen der Eintracht. Im Lauf der Jahrhunderte muss er jedoch verschwunden sein. Zwar wird er auch im Neuen Testament erwähnt, dann aber lange Zeit nicht. Erst bei den Quäkern taucht er wieder auf. Im siebzehnten Jahrhundert führen sie ihn als kleine Revolution neu ein: In ihrer Gemeinschaft soll er alte Standessymbole abschaffen und eine Begrüßung unter Gleichen sein.

Eine andere Lesart geht von Tierverhalten aus. Beobachtet man Tiere, bekunden sie oft Vertrauen durch Nähe. Weil man sich beim Händedruck sehr nahe kommt, könnte die Berührung also auch dazu dienen, Vertrauen herzustellen. Dazu passt diese altbekannte Geschichte: Mit dem Handschütteln zeigst Du Deine friedliche Absicht. Reichst Du nämlich dem anderen Deine Hand, kannst Du darin keine Waffe tragen. Aus demselben Grund – Vertrauen – besiegelt man bis heute Geschäfte mit Handschlag. Auch im christlichen Gottesdienst ist das Handgeben als Friedensgruß erhalten geblieben.

Warum Dein Händedruck so wichtig ist

Auf Fachfragen kannst Du Dich vorbereiten. Dein Auftreten kannst Du perfektionieren. Deine Kleidung kannst Du anpassen. Körpersprache und Händedruck hingegen kannst Du nur mit großem Aufwand manipulieren. Gerade beim Handreichen gibt es mehr Möglichkeiten, etwas falsch zu machen, als man annehmen könnte. Denn daran sind viele Muskeln beteiligt, nicht nur die deiner Hände. Sie alle lassen sich niemals im Einzelnen kontrollieren, vor allem dann nicht, wenn Du nervös bist.

Zudem braucht ein guter Händedruck viel Gespür für die Situation. Ob weicher Händedruck oder fester Händedruck, kann über Deine Karriere entscheiden! Das ist der Grund, weshalb Personaler dich in fast hundert Prozent der Vorstellungsgespräche mit einem Händedruck empfangen.

Ein Personalchef hat es schwer. Zunächst muss er aus Hunderten von Bewerbern die Richtigen herausfiltern. Die muss er dann einladen. Anschließend hat er im Marathon der Bewerbungsgespräche eine nahezu unlösbare Aufgabe: Er muss hinter die Masken der Bewerber blicken. Nur dann, wenn er erkennt, mit was für einem Menschen er es zu tun hat, kann er sich für den passenden Kandidaten entscheiden.

Bei gleicher Qualifikation mehrerer Bewerber muss der Personaler zwangsläufig nach anderen Kriterien gehen. Zudem muss er wissen, ob jemand menschlich zu der ausgeschriebenen Stelle passt. Denn egal, ob Führungskraft oder Teamplayer – jede Stelle fordert Dich auch als Persönlichkeit. Wie also bist Du wirklich? Dein Händedruck sagt es ihm.

Schraubstock oder Toter Fisch? Häufige Typen beim Händedruck

Generell lässt sich sagen, dass dynamische Körpersprache und Händedruck am sympathischsten wirken. Schwer haben es Menschen, für die ein zu weicher Händedruck charakteristisch ist. Hingegen wird ein fester Händedruck, schwungvoll ausgeführt, mit extrovertierten Menschen gleichgesetzt. Die wiederum gelten als offen, mitteilsam und begeisterungsfähig. Ein Traum für jeden Personalchef!

So sieht ein perfekter Händedruck aus:

  • Dauer drei bis fünf Sekunden
  • steter Blickkontakt
  • schwungvoller, fester Händedruck
  • dennoch einfühlsam: Druckstärke und Länge auf Gegenüber abstimmen!

Was aber heißt schwungvoll? Immerhin unterscheiden Experten für Körpersprache beim Händeschütteln mindestens zehn verschiedene Typen. Hier sind einige davon – erkennst Du Dich wieder?

Händedruck-Typ 1: Die Führungsperson

Sie versucht immer, zu dominieren: So schiebt sie die ganze Hand ihres Gegenübers nach unten. Dabei kehrt sie dessen Handinnenfläche nach oben. Hinzu kommt ein fast schon schmerzhafter fester Händedruck. Dominant ist es auch, eine Hand länger festzuhalten als üblich. Vor allem dann, wenn derjenige sie wegziehen willst, aber nicht kann.

Händedruck-Typ 2: Der Schraubstock

Er hat eindeutig zu viel Kraft. Häufig erkennt er beim Händeschütteln, wie sein Gegenüber das Gesicht verzieht, denn sein Händedruck tut richtig weh. Psychologen meinen dazu: Er sollte an seinem Selbstbewusstsein arbeiten, anstatt es mit solchen Tricks zu kaschieren.

Händedruck-Typ 3: Der Distanzierte

Dieser Typ lässt kaum zu, dass die beiden Handflächen sich berühren. Er mag das nicht oder findet es eklig. Manchmal winkelt er auch den Arm nicht an, sondern lässt ihn ausgestreckt. Seine ganze Haltung drückt aus, dass er lieber mehr Distanz hätte. Bei geschäftlichen Verhandlungen drückt das übrigens Skepsis aus!

Händedruck-Typ 4: Der Dauerschüttler

Er wirkt oft richtig überdreht. In seinem heftigen Armschwenken steckt zwar viel Energie. Die allerdings verpufft sinnlos, vor allem dann, wenn er zum Händeschütteln beide Hände braucht. Für ihn ist es schwer, die angemessene Stärke und Länge eines Händedrucks zu finden.

Händedruck-Typ 5: Toter Fisch

Ihn mag kaum jemand, denn er berührt vor allem unangenehm: ein schlaffer, sehr weicher Händedruck, der wirkt, als gleite ein Fisch über die Handfläche des Gegenübers. Er vermittelt Desinteresse und Distanz. Hier ist Händeschütteln eindeutig nur eine lästige Formalität!

Der Händedruck in der Wissenschaft – Studien und Fakten

Das alles sind nicht nur Erfindungen gelangweilter Kommunikationswissenschaftler. Unser Händedruck beschäftigt auch die restliche Wissenschaft schon seit Jahrzehnten. Dabei wird immer deutlicher: Der Handschlag ist somit weit mehr als ein Begrüßungsritual. Er gibt über unsere Gesundheit ebenso Auskunft wie über unseren Charakter. Eine recht neue Studie meint sogar, er gebe Anhaltspunkte für unsere Lebenserwartung.

Ein Händedruck überträgt 80 Prozent aller ansteckenden Krankheiten

Egal, ob fester oder weicher Händedruck: Viren und Bakterien nützt er ebenfalls. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hin. Natürlich liegt es auch an Dir und Deiner Hygiene – häufiges Händewaschen vor allem in der Erkältungszeit steuert natürlich gegen. Dennoch ist die schiere Menge erstaunlich: Immerhin ist das mehr als beim Küssen!

Muckis machen fit im Kopf

Menschen, die mehr Muskelkraft besitzen, leisten auch gehirntechnisch mehr: Sie können Probleme besser lösen, argumentieren klüger, von ihrer Gedächtnisleistung ganz zu schweigen. Angenehmer Nebeneffekt: Weil solche Menschen im Allgemeinen auch erfolgreicher sind, verfügen sie über mehr Selbstbewusstsein. Zudem leben sie auch länger, weil Muskeln besonders in fortschreitendem Alter wichtig für die Gesundheit sind. Was das alles mit dem Händedruck zu tun hat? Versuche einmal, ohne Muskeln einen guten Händedruck zu erzeugen. Auch ein weicher Händedruck ist oft nur Zeugnis mangelnder Kraft!

Personaler bevorzugen dynamische Kandidaten

Eine Studie der Uni Iowa beschäftigte sich im Jahr 2008 mit dem Eindruck, den ein Händedruck bei Personalern hinterlässt. Fazit: Ausnahmslos alle Testpersonen bevorzugten den kräftigen, schwungvollen Händedruck. Wer also die Hand des Gegenübers ganz umfasst, kurz und kräftig schüttelt und dabei eine gesunde Distanz einhält, startet am besten in das Bewerbungsgespräch.

So verbesserst Du Deinen Händedruck – ein wenig Sport für zwischendurch

Das ist kein großer Aufwand, sondern nebenbei möglich. Körpersprache und Händedruck lassen sich optimieren: Trainiere deine Finger, mache sie beweglicher und kräftige sie zugleich. Dann wird sich automatisch auch Dein Händedruck verbessern.

Für den Daumen

Greife mit Daumen und Zeigefinger einen möglichst schweren, flachen, aber nicht zu großen Gegenstand. Halte ihn. Eine Hantel tut hier Wunder. Sollte die Hantel nicht zu den Dingen zählen, die Du täglich um Dich hast, nutze einen schmalen Aktenordner.

Für die Fingerkraft

1) Hast Du Kinder? Dann bitte sie um ihren Fußball. Greife ihn mit offener Hand, sodass diese komplett anliegt. Hebe den Ball an und halte ihn so lange wie möglich.

2) Nimm ein stabiles, etwas dickeres Gummiband. Streife es über Deine Hand, sodass es die Außenseite Deiner Finger umschließt, Daumen inbegriffen. Dehne nun alle Finger gleichzeitig gegen den Widerstand.

3) Der Klassiker ist allerdings das Press-Egg! Solche Spezialgeräte gibt es in Fitnessläden oder online. Als Alternative bietet sich ein Fingertrainer an. Der lässt Dich jeden Finger einzeln trainieren. Ein Tipp für Hartgsottene – wenn Du eine Liegestütze nur auf den Fingerspitzen schaffst, sollte ein kräftiger Händedruck für Dich kein Problem mehr sein.

Was dich sonst noch weiter bringt: Händedruck-Knigge

  • Immer aufstehen!
  • Als Gastgeber dem Ranghöchsten zuerst die Hand geben
  • Überall woanders entscheidet der Ranghöchste selbst, ob man sich die Hand gibt
  • Vermeide einen zu schlaffen Händedruck!
  • Wiederhole laut den Namen dessen, dem Du gerade die Hand gibst

Das lässt Du hingegen lieber sein:

  • Ausgestreckte Hand übersehen
  • Händedruck mit schweißfeuchter Hand
  • Starkes Schütteln oder Schwenken
  • Menschen in fremden Ländern den Händedruck aufzwingen

Ein Wort zum letzten Punkt. Alles bisher Gesagte gilt für unseren, also den westlichen Kulturkreis. Rechne immer damit, dass es in anderen Kulturen anders gehandhabt wird. Religiöse Belange sind bei Körpersprache und Händedruck ebenso zu beachten wie das Agieren zwischen Mann und Frau.

In der Schweiz etwa setzte die Schulbehörde die Pflicht zum Handreichen in der Schule durch. Anders ein jüngerer Fall in Deutschland: Hier wurde an einer Berliner Schule ein Berühren mit der Hand aus religiösen Gründen verweigert. Die heftige Diskussion im Anschluss zeigte zwar, worum es wirklich ging: um Integration und Regeln des Umgangs miteinander. Das Handgeben selbst war aber der Auslöser!

Ist es wirklich so unhöflich, einen Händedruck abzulehnen?

Kommt ganz darauf an. Allgemein akzeptiert wird die Entschuldigung, man sei erkältet. Allerdings fragt zum Beispiel ein Personalchef sich dann, wieso Du Dir keinen anderen Termin geben lässt. Immerhin geht es hier nicht nur um Dich: Du setzt ihn und andere der Ansteckungsgefahr aus. Egal in welcher Situation – Fingerspitzengefühl ist hier gefragt, nicht nur beim Handschlag an sich. Kommt jemand mit ausgestreckter Hand auf Dich zu, gilt es als ziemlich ungehobelt, die Hand auszuschlagen. Du solltest dafür schon einen guten Grund haben.

Fazit

Dein Händedruck ist Dein Start in das Bewerbungsgespräch. Er entscheidet mit, wie das anschließende Gespräch läuft. Mit einem schwungvollen, kurzen Händedruck bist Du auf der sicheren Seite: Wie eine Studie nachwies, bevorzugen Personalchefs diese Art des Handschlags, weil das auf einen extrovertierten Menschen schließen lässt. Und den Handschlag kann man wie Vieles aus der Körpersprache nur schwer kontrollieren.
Experten unterscheiden beim Handreichen sogar zwischen verschiedenen Typen. Solltest Du Dich in einem erkennen, der vielleicht weniger schwungvoll vorgeht, nicht verzagen: Der Händedruck selbst lässt sich trainieren. Mit ein wenig Sport kräftigst Du die Finger Deiner Hand und verbesserst damit Deine Chancen im Bewerbungsgespräch!

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