Anforderungen an Teamleiter – hast Du das Zeug dazu?

Eine Stelle als Teamleiter oder Abteilungsleiter ist häufig der erste größere Schritt auf der Karriereleiter. Denn immer noch gehört vor allem in großen Unternehmen Personalverantwortung zur klassischen Berufslaufbahn, die eventuell sogar ganz an die Spitze eines Unternehmens führt. Welche Anforderungen Arbeitgeber an eine künftige Teamleitung stellen, hängt teilweise natürlich vom Unternehmen und den konkreten Aufgaben für den Teamleiter ab.

Doch es gibt einige grundlegende Eigenschaften, die eine Teamleitung in jedem Fall erfüllen muss. Wir haben für Dich in diesem Artikel die zehn wichtigsten Anforderungen zusammengestellt, die Unternehmen an ihre Führungskräfte stellen. Außerdem geben wir Dir Tipps, wie Du diese Erwartungen am besten erfüllen kannst, sodass Du fit wirst für eine Stelle als Teamleiter oder Teamleiterin.

Die zehn wichtigsten Anforderungen an Teamleiter

1. Belastbarkeit

Eine Stelle als Teamleiter bezeichnet man oft auch als „Sandwich-Position“: Über Dir ist die Geschäftsführung oder die Bereichsleitung, unter Dir ist Dein Team, neben Dir sind die Verantwortlichen für andere Teams im Unternehmen – und alle haben ihre eigenen Anforderungen an den Teamleiter. Hinzu kommt häufig noch eine hohe fachliche Verantwortung in dieser Position und – das darf man nicht vergessen – überdurchschnittlich viel Arbeit. Gerade wenn Du neu an eine entsprechende Stelle kommst, werden Dich die vielfältigen Erwartungen sicher überraschen.

Wenn Du vorher selbst Mitglied des Teams warst, musst Du außerdem den Wechsel vom Kollegen zum Vorgesetzten meisten. Deine wichtigste Eigenschaft als Teamleitung ist daher Belastbarkeit. Denn nur, wenn Du mit Stress, Konflikten und Ärger souverän umzugehen weißt, kannst Dein Anforderungsprofil überzeugen. Der nächste Schritt zum Beispiel zum Abteilungsleiter hängt nämlich davon ab, wie gut Du Deinen Job von Anfang an machst und ob Du in der Lage scheinst, noch mehr Verantwortung zu übernehmen.

2. Mut

Wenn Du ein Team leitest, gehört es zu Deinen täglichen Aufgaben, Entscheidungen zu treffen – und das oft in kurzer Zeit und mit wichtigen Konsequenzen. Viele dieser Entscheidungen betreffen Dein Team direkt. Du musst zwischen verschiedenen Kandidaten und Kandidatinnen für eine Stelle in Deinem Team wählen, Du musst Aufgaben an die richtigen Mitarbeiter verteilen und Du musst sehr schnell reagieren, wenn jemand mit einer Frage oder Problemen auf Dich zukommt.

Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen haben Teamleiter außerdem oft die fachliche Verantwortung für einen Bereich. Entscheidungen, die Du triffst, sind dann auch inhaltlicher Natur und können enorme Folgen für das Unternehmen haben. Um Dich hier nicht erschrecken zu lassen und mit klarem Blick Deinen Aufgaben nachkommen zu können, benötigst Du oft eine gehörige Menge Mut. Denn nur, wer als Teamleiter das Risiko eingeht, auch mal etwas falsch zu machen, hat die Chance, ganz viel Richtiges zu tun.

3. Berechenbarkeit

Deine wichtigste Aufgabe als Teamleiter ist es, Dein Team zu führen. Du musst für Deine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ein verlässlicher Ansprechpartner sein und mögliche Probleme aus dem Weg räumen oder zumindest erklären können, damit Dein Team sich auf die fachliche Arbeit konzentrieren kann. Die effizienteste Möglichkeit, dies zu erreichen, ist, wenn Dein Team Dir vertraut. Denn dann werden sie Deinem Weg auch dann folgen, wenn Du keine Zeit hast, jeden kleinen Schritt zu erklären.

Ein wichtiger Baustein für den Aufbau von Vertrauen ist Berechenbarkeit. Wenn Dein Team Deine Erwartungen kennt und weiß, wie Du reagierst, wenn etwas schiefgeht, können sie Dein Verhalten vorhersehen und sich danach richten. Lässt Du dagegen dienstags große Fehler durchgehen, während Du montags darüber noch wütend geworden bist, weiß Dein Team nicht, woran es bei Dir ist. Sie werden sich dann mehr Gedanken über Dich als Person als über ihre eigene Arbeit machen – und das wiederum macht Dir die Arbeit unnötig schwer.

4. Fachliche Kompetenz

Wenn Du Dich zum Teamleiter entwickeln möchtest, musst Du Dich durch irgendetwas von anderen Mitarbeitern im Unternehmen abheben. Meist ist dies die fachliche Kompetenz, weil man diese als erstes erwirbt und auch viel mehr Möglichkeiten hat, sie zu demonstrieren.

Auch in Deiner Funktion als Teamleiter ist fachliche Kompetenz weiterhin gefragt, auch wenn sie nur eine von vielen Anforderungen an Teamleiter ist. Doch zu Deinen Aufgaben in der Teamleitung zählt es eben auch, erster Ansprechpartner für fachliche Fragen zu sein und neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fachlich auszubilden oder zumindest einzuarbeiten. Wenn Du das entsprechende Wissen nicht mitbringst, kannst Du auch nicht überprüfen, wie gut Deine Mitarbeiter ihre Aufgaben erfüllen.

Das kostet Dich auch Vertrauen und Respekt in Deinem Team. Da sich inhaltliche Gegebenheiten ändern können, bedeutet dies, dass Du auch dann auf einem aktuellen fachlichen Stand bleiben musst, wenn Du selbst nicht mehr im operativen Tagesgeschäft mitarbeitest. Du musst nicht mehr selbst alle Aufgaben erfüllen können, aber Du solltest zumindest nicht den fachlichen Anschluss verpassen.

5. Konfliktfähigkeit

Wo Menschen Zeit miteinander verbringen, entstehen Konflikte. Auf der Arbeit geht es für viele Menschen um sehr Wichtiges: Geld, Karriere, persönliche Beziehungen, teilweise sogar die (gefühlte) Existenz. Entsprechend groß, häufig und wichtig sind die Konflikte, die auf der Arbeit entstehen können. Wenn Du Personalverantwortung trägst, trägst Du damit automatisch die Verantwortung für Konflikte. Als Teamleiter musst Du Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten zwischen Deinen Mitarbeitern schlichten und beenden können.

Du musst Dein Team im Unternehmen vertreten und auch für die Interessen einzelner Mitarbeiter der Firma gegenüber einstehen. Und Du musst in der Lage sein, Konfliktgespräche mit Mitarbeitern zu führen, die Deine Erwartungen nicht erfüllen. Solche Gespräche können sehr emotional aufgeladen sein, gerade weil es für den anderen oft sogar um mehr geht als für Dich. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass Du in Deiner Rolle als Teamleiter Konflikte vermeidest. Du musst sie stattdessen souverän und angemessen behandeln und eine Lösung für sie suchen.

6. Menschenkenntnis

Zu den Anforderungen an Teamleiter zählt häufig auch, ein bestehendes Team zu erweitern oder ein neues Team aufzubauen. Dafür musst Du neue Mitarbeiter für Dein Team rekrutieren. Es wird also zu Deinen Aufgaben als Teamleiter gehören, Bewerbungen zu lesen und Vorstellungsgespräche zu führen. Und in der kurzen Zeit, die Du dafür zur Verfügung hast, musst Du Dir ein Bild über den Menschen machen, der Dir gegenüber sitzt. Denn wenn Du neue Mitarbeiter einstellst, musst Du einschätzen können, ob derjenige die fachlichen Anforderungen erfüllt und welchen Einfluss er auf das Teamgefüge hast.

Falsche Personalentscheidungen können ein Unternehmen viel Geld kosten. Das Recruiting kostet Geld, Einarbeitung und Gehalt für den falsch ausgewählten Mitarbeiter verursachen Kosten und häufig sinkt sogar die Produktivität eines gesamten Teams. Solche Fehlentscheidungen sind außerdem ungerecht dem neu eingestellten Mitarbeiter gegenüber, der für diese Stelle wahrscheinlich eine andere aufgibt. Eine gute Menschenkenntnis hilft Dir dabei, gar nicht erst die falschen Mitarbeiter einzustellen.

7. Zahlenverständnis

Egal in welchem Bereich Du arbeitest, egal wie sehr Du denkst, dass Deine Aufgaben nichts mit Zahlen und Daten zu tun haben – als Teamleiter wird sich das ändern. Wenn Du für ein Team oder sogar einen Bereich verantwortlich bist, musst Du ein grundlegendes Zahlenverständnis mitbringen. Du musst verstehen, wie Kosten in Deinem Team entstehen, welchen Beitrag ihr als Team und jeder Einzelne zum Unternehmenserfolg leistet und wie man das Ganze misst.

Zu den Anforderungen an Teamleiter gehört nämlich auch, den Erfolg des Teams quantifizieren zu können. Deinen eigenen Vorgesetzten musst Du als Teamleiter häufig darüber Bericht erstatten, wie die Zahlen für Dein Team aussehen. Für einzelne Mitarbeiter musst Du Dir außerdem quantifizierbare Ziele überlegen, um sie am Ende eines Jahres beurteilen zu können. Ein grundlegendes Verständnis für Zahlen und Zusammenhänge benötigt daher jeder Teamleiter.

8. Überzeugungskraft

Als Teamleitung wirst Du häufig andere Menschen dazu bringen müssen, etwas zu tun, was sie vielleicht lieber nicht tun würden. Du musst Mitarbeiter motivieren, auch dann ihr Bestes zu geben, wenn sie schon Überstunden gemacht haben. Du musst Deinen Vorgesetzten dazu bringen, Dir eine neue Stelle zu genehmigen, obwohl Du schon über dem Budget liegst. Und Du musst Deinem Team zeigen können, dass Ihr gemeinsam auch Durststrecken überwindet.

Daher gehört es zum Anforderungsprofil an einen Teamleiter oder eine Teamleiterin, dass Du Menschen überzeugen kannst. Dazu musst Du Dich in verschiedene Menschen und ihre Motivation hineinversetzen können. Und Du musst Dir die Zeit nehmen, auf die Bedürfnisse Einzelner einzugehen und zu zeigen, inwiefern die Erfüllung Deiner Erwartungen auch ihnen nützt. Dafür schadet auch eine gewisse Eloquenz als Teamleiter nicht.

9. Organisatorische Fähigkeiten

Als Teamleiter hast Du ein Team und musst nie wieder etwas selbst organisieren? Falls Du das hoffst, müssen wir Dich leider enttäuschen. Denn gerade als Teamleiter musst Du viele Dinge organisieren. Du musst Deine Abteilung aufbauen und die Zusammenarbeit vieler Menschen miteinander strukturieren. Du musst den Tagesablauf Deines Teams planen. Du musst Wochen-, Monats- und Jahrespläne erstellen, damit Dein Team die Vorgaben, die im Unternehmen gestellt werden, erfüllen kann. Dies können Deine Mitarbeiter nicht abnehmen. Denn nur als Team- oder Abteilungsleiter hast Du den Überblick über Zusammenhänge im Unternehmen, den man braucht, um das gesamte Team zu organisieren.

Zum Anforderungsprofil an die Teamleitung zählt daher auch ein gewisses organisatorisches Talent. Du musst strukturiert denken und planen können. Und Du musst – was gerade neue Teamleiter überrascht und manchmal überfordert – überprüfen, ob Deine Pläne eingehalten werden bzw. ob Du gut geplant hast. Und meistens musst Du Deine Pläne anpassen, weil die Realität sie eingeholt hat.

10. Humor

Der Alltag einer Teamleitung ist geprägt von Stress, ständigem Wechsel zwischen verschiedensten Aufgaben und auch häufigen Fehlschlägen und gefühlten Niederlagen. Damit Du diese Dinge leichter verarbeiten kannst, hilft Dir eine gute Portion Humor. Dadurch nimmst Du nicht jede Kleinigkeit ernst, sondern kannst auch die witzigen Seiten an schwierigen Situationen entdecken. Ein Teamleiter mit Humor ist außerdem für das Team sehr wertvoll, denn Humor verbindet und schafft eine gute Arbeitsatmosphäre. Das bedeutet natürlich nicht, dass Du jeden Tag witzereißend von Tisch zu Tisch laufen musst.

Aber wenn eine Situation absurd ist, kannst Du dazu auch eine lustige – natürlich immer respektvolle – Bemerkung machen. So fühlen sich die Mitarbeiter, für die Du die Personalverantwortung trägst, auch direkt zu einer Gruppe zugehörig. Dies stärkt den Teamgeist und sorgt dafür, dass Dein Team gerne für Dich als Abteilungsleiter arbeitet. Denn gute Teamleiter sind nicht nur fachlich und sozial kompetent, sondern sie sind – zumindest ihrem Team – auch sympathisch. Und dabei hilft Humor.

Wenn Dein Anforderungsprofil (noch) nicht perfekt passt

Wenn Du aktuell noch eine Stelle als Teamleiter anstrebst oder gerade zum Teamleiter ernannt worden bist, ist es ganz normal, dass Du noch nicht alle Anforderungen an Teamleiter erfüllst. Schließlich wird man in jeder Aufgabe durch Erfahrung besser, und das gilt natürlich auch für Team- und Abteilungsleiter. Um Dich dem Idealbild eines Teamleiters in Deinem Unternehmen anzunäher, solltest Du die beiden folgenden Punkte tun:

1. Mache eine Bestandsanalyse

Trage die Anforderungen an Teamleiter aus diesem Artikel und ggfs. zusätzliche Anforderungen Deines Unternehmens zusammen. Schätze Dich dann selbst ein, wie weit Du dieses Anforderungsprofil erfüllst. Am besten fragst Du auch Kollegen oder Deinen Vorgesetzten, Dich zu bewerten, damit Du ein Bild von außen hältst. Eine gute Gelegenheit, mit Deinem eigenen Abteilungsleiter diese Themen zu besprechen, ist ein offizielles Mitarbeitergespräch. Identifiziere Deine Stärken und Schwächen, damit Du weißt, woran Du arbeiten solltest.

2. Stärken stärken, Schwächen managen

Wenn Du Deine Stärken und Schwächen kennst, fängst Du nicht etwa damit an, an Deinen Schwächen zu arbeiten. Dies würde Dich maximal in allen Bereichen auf ein durchschnittliches Niveau bringen. Wenn Du dagegen bereits jetzt überzeugend bist, aber ein sehr schlechtes Zahlenverständnis besitzt, solltest Du Dir überlegen, wie Du Deine Überzeugungskraft noch ausbauen kannst und welche Strategien Du nutzen kannst, um Deine Schwäche im Zahlenverständnis auszugleichen. Würdest Du stattdessen versuchen, Dein Zahlenverständnis zu verbessern, würdest Du ein wichtiges Talent, das Du mitbringst, einfach liegen lassen.

Fazit

Eine Stelle als Teamleiter ist für viele gerade deswegen so interessant, weil die Aufgaben vielfältig und nicht vorhersehbar sind. Dies führt jedoch auch dazu, dass das Anforderungsprofil an Teamleiter besonders komplex ist. Wenn Du planst, Personalverantwortung zu übernehmen, hast Du täglich mit vielen verschiedenen Menschen zu tun, die Unterschiedliches von Dir wollen und die unterschiedlichste Fähigkeiten von Dir beanspruchen.

Die meisten davon kannst Du jedoch lernen, und für die anderen kannst Du Dir Hilfsmittel und Unterstützung suchen. Wichtig ist, dass Dir von Anfang an klar ist, dass die Anforderungen an Teamleiter überdurchschnittlich hoch ist. Wenn Du das weißt, wirst Du von Deinen neuen Aufgaben nicht überfordert, sondern kannst Dich darauf konzentrieren, nicht nur ein Teamleiter, sondern ein guter Teamleiter zu werden.

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